Carlo Cattaneo und seine Rolle im mailändischen Fünf-Tage-Aufstand vom März 1848

• Pascal Oswald •


PID: https://hdl.handle.net/21.11108/0000-0007-EA95-9

1. Einleitung1

Ciò che pochi giorni addietro era meno che una speranza, era un sogno, oggi è un fatto: un fatto splendido, vasto, universale. Tutta l’Italia, tutta la Francia, tutta la Germania, la Danimarca, la Boemia, si sono trasformate ad occhio veggente in sessanta giorni.2

Das sind die Worte Carlo Cattaneos, in der Nacht vor dem Ausbruch des mailändischen Fünf-Tage-Aufstands zu Papier gebracht. Mit ihnen beschreibt der lombardische Intellektuelle die Veränderungen, die sich seit Mitte Januar 1848 in vielen Ländern des Kontinents vollzogen: Im Biennium 1848/49 erhoben sich bekanntlich die Völker Europas gegen das auf dem Wiener Kongress geschaffene ‹System Metternich›, um eine neue, auf den ‹französischen› Prinzipien des Liberalismus und Nationalismus beruhende Ordnung durchzusetzen. Im Unterschied zu den früheren Aufständen des 19. Jahrhunderts, die stark lokal begrenzt geblieben waren, kam es im «Völkerfrühling»3 erstmals zu einem kontinentalen Flächenbrand, der im März 1848 von Wien ausgehend auch auf die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand übersprang: Fünf Tage lang, vom 18. bis 22. März, kämpften die Einwohner der Metropole gegen die habsburgische Besatzungsmacht, deren dortige Herrschaft nach dem Sturz Napoleons 1814/15 wiederhergestellt worden war.

Das Geschehen, das als cinque giornate di Milano in die Geschichte eingegangen ist, war in gewisser Hinsicht singulär: In kaum einem anderen Zentrum der Halbinsel erfolgte die Konfrontation mit den Mächten der Restauration mit solch einer Heftigkeit und erlangte die ansässige Bevölkerung aus eigener Kraft und in letztlich so triumphaler Weise die Unabhängigkeit. Auch die fast zeitgleichen Vorgänge im ebenfalls habsburgischen Venedig unterschieden sich enorm von den mailändischen – dort erfolgte die Vertreibung der Österreicher beinahe ohne Blutvergießen.4 Einzig und allein die Kämpfe in Palermo vom Januar 1848, die letztlich eine sechzehnmonatige Unabhängigkeit Siziliens und die vorübergehende Absetzung des Bourbonenkönigs Ferdinand II. bewirkten, können wohl hinsichtlich Dauer und Intensität mit den cinque giornate verglichen werden.5 Bei den Barrikaden in Lombardo-Venetien handelt es sich neben den sizilianischen übrigens um die einzigen, die während des Revolutionsjahres 1848 in Italien errichtet wurden.6

Bild 1: Aquarell von Felice Donghi aus dem Jahr 1848, das eine der in Mailand während der cinque giornate errichteten Barrikaden zeigt. (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Donghi_5_giornate_1848.jpg)

Eine führende Rolle in den Mailänder Ereignissen kam dem zum damaligen Zeitpunkt 46-jährigen Carlo Cattaneo zu, der bis dahin fast ausschließlich als Intellektueller und Schriftsteller in Erscheinung getreten war. Als «ein[en] grosse[n] Unbekannte[n]» bezeichnete ihn Carlo Moos anlässlich seines 200. Geburtstags am 15. Juni 2001 in der Neuen Zürcher Zeitung.7 Während im europäischen Ausland so gut wie niemand etwas mit dem Namen verbinde, verkenne man sogar in Italien bisweilen den föderalistisch gesinnten Republikaner und seine Ideen, so der Schweizer Historiker.8

In der Tat stellt Cattaneo eine Art Randfigur im italienischen Einigungsprozess dar, der eine Außenseiterrolle einnahm und der daher zumindest in politischer Hinsicht unter den Protagonisten des Risorgimento eher einen Platz in der zweiten Reihe einnimmt.9 Die italienische Öffentlichkeit hat Cattaneo nicht in die Reihe der ‹Väter des Vaterlandes› aufgenommen; das ist schon daran erkennbar, dass ihm zu Ehren lediglich ein einziges italienisches Standbild errichtet wurde, die von Ettore Ferrari geschaffene Bronzestatue in der Via Santa Margherita in seiner Heimatstadt Mailand,10 – reichlich wenig im Vergleich zur Anzahl der Statuen Mazzinis und noch mehr Vittorio Emanueles II. und Garibaldis, die die ganze Halbinsel übersähen11. Dass Cattaneo aber nicht ganz aus der kollektiven nationalen Erinnerung verschwunden ist, zeigt die Tatsache, dass vor allem in Norditalien durchaus eine gewisse Zahl an Straßen, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen nach ihm benannt worden ist.12

Bild 2: Die von Ettore Ferrari 1900 geschaffene Bronzestatue Carlo Cattaneos in der Via Santa Margherita, Mailand. (priv.)

Die geringere Popularität seiner Person macht eine Beschäftigung mit Cattaneo indessen weder uninteressant noch wissenschaftlich unbedeutend; ganz im Gegenteil sind sich Cattaneo- und Risorgimento-Spezialisten über den Stellenwert des Mailänder Intellektuellen einig und beklagen seit den frühen Jahren des geeinigten Königreichs Italien immer wieder, dass sein schriftstellerisches Werk nicht bekannter ist.13 Gerade dadurch, dass der «Vater des italienischen Föderalismus»14 in Opposition zu den vorherrschenden Meinungen seiner Zeit stand, stellen seine Ideen eine gleichermaßen kreative wie aus heutiger Sicht interessante Alternative für eine zum damaligen Zeitpunkt politische Neugestaltung der Lombardei dar.

Das Interesse, sich mit Cattaneo zu beschäftigen, resultiert nicht zuletzt aus der Tatsache, dass sich hinter der Figur nicht nur ein Politiker, sondern auch einer der letzten europäischen Universalgelehrten verbirgt. Die nationale Gesamtausgabe seiner Werke hat keinen geringeren Umfang als siebzehn Bände und umfasst neben Briefen literarische, philosophische, historische, geographische und politische wie auch ökonomische Schriften.15 Primär sah sich Cattaneo selbst als Schriftsteller, die Rolle als politische Führungspersönlichkeit widerstrebte ihm sogar von Natur aus16, wie er in einem Brief an Francesco Restelli vom 17. Februar 1849 erklärte:

[e] per natura rifuggo da ogni posizione troppo cospicua, dove le transazioni sono inevitabili. Eccetto il momento d’assoluta necessità come furono i cinque giorni di marzo. Io posso farmi utile alla causa, quando mi si lasci lavorare nel mio angolo e a mio modo.17

Vor und nach 1848/49 ist Cattaneo in der Tat nicht als aktiv handelnder Politiker in Erscheinung getreten – zwar reiste er im September 1860 auf Einladung Garibaldis infolge der Spedizione dei Mille nach Neapel, um an einer möglichen Verfassung mitzuarbeiten, kehrte jedoch bereits nach rund einem Monat wieder zurück, als er bemerkte, dass er nichts gegen die savoyische Übermacht und das diplomatische Geschick Cavours auszurichten vermochte.18 Obwohl nach der Gründung des Königreichs Italien zwei Mal für den Wahlkreis Mailand in die camera dei deputati gewählt, nahm er sein Mandat nicht wahr, da er keinen Eid auf die monarchische Verfassung ablegen wollte.19

Seine Partizipation am mailändischen Fünf-Tage-Aufstand nimmt folglich eine besondere Stellung in seiner Biographie ein, der Biographie eines Mannes, der sich normalerweise ganz bewusst im Hintergrund zu halten versuchte und es vermied, aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen. Das soll aber nicht heißen, dass der Intellektuelle Cattaneo in rein theoretische Schöngeisterei oder gar in politische Apathie verfallen wäre. Ganz im Gegenteil ist sein Werk durch einen großen Praxisbezug gekennzeichnet – nicht umsonst bezeichnete Norberto Bobbio seine Philosophie als «militant».20 Zeit seines Lebens hielt Cattaneo die Beschäftigung mit Metaphysik für Zeitverschwendung; die Philosophie sollte seiner Meinung nach dazu dienen, die Gesellschaft aufzuklären und zu ihrer Verbesserung beizutragen. Folgerichtig beschäftigte sich Cattaneo auch häufig mit technischen Problemen, etwa mit Bewässerungsprojekten oder Plänen für Eisenbahnstrecken.21

Die vorliegende Arbeit hat mit der Rolle Cattaneos in der mailändischen Revolution von 1848 somit ein eher untypisches Gesicht des Lombarden zum Thema. Anfangs wurde bereits erwähnt, dass Cattaneo während dieser Ereignisse immer mehr in die politische Passivität geriet. Auf den folgenden Seiten soll die Außenseiterrolle Cattaneos näher bestimmt und die Grundzüge seines politischen Handelns im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1848/49 kritisch untersucht werden. Erläutert werden soll dabei, inwiefern sich Cattaneo von anderen politischen Gruppierungen des Risorgimento und insbesondere von den anderen bedeutenden politischen Persönlichkeiten der cinque giornate unterschied.

Naheliegend ist in diesem Kontext auch die Frage nach den Erfolgsaussichten von Cattaneos Strategie und danach, inwiefern sein Ansatz den damaligen politischen und geographischen Rahmenbedingungen entsprach: Ließen sich seine Pläne unter den gegebenen Umständen realisieren oder waren die Chancen auf Verwirklichung angesichts der vorherrschenden Gesinnung der mailändischen Bevölkerung bzw. des mailändischen Establishments a priori eher gering? Wäre in der damaligen Situation ein Volksaufstand möglich gewesen und hätte dieser die pro-piemontesisch eingestellte liberale provisorische Regierung zu stürzen vermocht? Solche Fragen mögen problematisch sein, da man sich mit ihnen aus dem Blickfeld der klassischen Geschichtsschreibung heraus- und sich stattdessen in das Gebiet der spekulativen Historie hineinbegibt; zugleich haben sie aber auch ihre Berechtigung, da der Verlauf und Ausgang historischer Prozesse stets von dem ihnen zugrundeliegenden Handlungsspielraum, den Rahmenbedingungen und Möglichkeiten beeinflusst wird.22 Die Tatsache, dass Mazzini in einem persönlichen Gespräch mit Cattaneo die Möglichkeit eines Volksaufstandes erwähnte und ernsthaft in Erwägung zog23, zeigt, dass solche Fragen alles andere als abwegig sind.

Vor der Beantwortung dieser Fragen werde ich die mit ihnen in Zusammenhang stehenden Ereignisse darstellen. Dabei soll auch ein Bild der für die Stadt Mailand grundlegenden politischen Entwicklungen im Risorgimento gezeichnet werden, denn ohne Kontextualisierung wäre es schlecht möglich, die Rolle Cattaneos in den fünf Tagen des März 1848 zu begreifen. Cattaneo selbst geht in seinen für die mailändische Revolution von 1848 grundlegenden Schriften nicht selten und meist stark wertend auf die Vorgeschichte ein. Die vorliegende Arbeit versteht sich also weder als biographische Studie über Cattaneo noch als Abhandlung über das Mailand des Risorgimento, sondern bewegt sich dazwischen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der politischen Entwicklung, die militärische wird hingegen vernachlässigt.

2. Die Quellen

Wie es meistens in der neueren Geschichte der Fall ist, gibt es auch im vorliegenden Fall zahlreiche Quellen; aus der Feder Cattaneos sind zwei wichtige Schriften überliefert, die als fundamentale Quellen zur mailändischen Revolution von 1848/49 dienen:

  • Sein Buch Dell’insurrezione di Milano e della successiva guerra, von dem zwei verschiedene Fassungen existieren: Eine erste in französischer Sprache, die Cattaneo zur Zeit seines Pariser Exils im August und September 184824 und damit wenige Monate nach den Ereignissen verfasste; diese erschien erstmals am 25. Oktober 184825. In Lugano schrieb der Ex-Revolutionär wenig später eine zweite, deutlich erweiterte Fassung in seiner Muttersprache, die er zum ersten Mal am 31. Januar 184926 publizierte und in der er im Vergleich zur vorherigen französischen Edition nach eigener Aussage «vieles hinzugefügt und nichts entfernt»27 hat.
  • Hinzu kommt der Archivio triennale sulle cose d’Italia dall’avvenimento di Pio IX. e della guerra successiva, der allgemein eine der wichtigsten Quellen zur Revolution von 1848/49 in Italien darstellt28 und insbesondere Informationen zu den Ereignissen in Mailand enthält. Es handelt sich nicht um eine Schrift Cattaneos im eigentlichen Sinne, sondern um eine von ihm herausgegebene und kommentierte Quellensammlung zu den politischen Geschehnissen im Italien der Jahre 1847–4929, die mit Unterstützung des Schriftstellers Michele Dall’Ongaro entstand30. Cattaneo stellte diese in den ersten Jahren seines Tessiner Exils zusammen, ließ sie jedoch vor allem aufgrund finanzieller Probleme unvollendet31: Von mehr als 30 vorgesehenen Bänden32 wurden nur drei fertiggestellt. Der erste Band erschien im September 1850, die folgenden Bände 1851 und 1855; sie enthielten neben Quellen verschiedenster Natur33 zahlreiche editorische Notizen, die Cesare Spellanzon später unter dem Titel Considerazioni sulle cose d’Italia nel 184834 zusammenfasste.

Für die Betrachtung der Considerazioni wie auch der Insurrezione, die aus zeitgenössischen Quellen gearbeitet wurden, zugleich aber auch auf eigenen Erfahrungen beruhen und somit Elemente enthalten, die für Memoiren charakteristisch sind, ist zu beachten, was der britische Italien-Historiker Denis Mack Smith über diese Quellengattung im Kontext des Risorgimento schreibt:

La tendenza alla giustificazione personale, e quindi crearsi delle illusioni, è uno dei motivi per cui ogni documento illustrativo che sia la registrazione di ricordi e non sia quindi contemporaneo agli avvenimenti descritti, deve essere letto con cautela.35

Insgesamt scheinen Cattaneos Schriften eine vertrauenswürdige Quelle darzustellen, zumal ihr Inhalt mit den Aussagen später veröffentlichter Dokumente selten in Widerspruch steht, wie Spellanzon bereits in den 1940er-Jahren festgestellt hat.36 Wer aber meint, die Schrift werde dem Standpunkt der Neutralität gerecht, irrt: Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass Cattaneo mit seinen historischen Schriften durchaus ein politisches Ziel verfolgte, was sich nicht zuletzt in der immer schärfer werdenden Kritik an Mazzini, den moderati und Carlo Alberto, dem König Piemont-Sardiniens, manifestiert.37 Unverkennbar ist seine republikanisch-föderalistische Grundhaltung, die seine Interpretation der Ereignisse bestimmt. Hinsichtlich gewisser Punkte besteht in der Historiographie Konsens darüber, dass Cattaneo den Leser manipuliert: So ist seine in der Insurrezione getroffene Behauptung, der Zusammenstoß des habsburgischen und savoyischen Heeres nahe Mailand sei gestellt gewesen, kaum haltbar.38 Auch was die von ihm angegebene Zahl der habsburgischen Verluste angeht, kann man davon ausgehen, dass Cattaneo falsch liegt39 – vermutlich wollte er den piemontesischen Sieg bei Mailand in noch strahlenderem Licht erscheinen lassen. Außerdem ist bekannt, dass Cattaneo die Texte aller ihm von anderen ‹Patrioten› zur Publikation im Archivio übergebenen Memoiren vor deren Veröffentlichung auf seine Weise ‹redigierte›: Fast ausschließlich typographische und formale Änderungen nahm er in den Memoiren Agostini Bertanis, Antonio Fossatis, Carlo Clericis und Guerrieri Gonzagas vor, während er die Berichte Pietro Maestris und Cesare Correntis durch seine Kürzungen und Modifikationen sogar inhaltlich verfälschte.40 Unter anderem spielte er die Rolle der Republikaner in der Vorbereitung des Aufstandes herunter, um so den Gegensatz zwischen Volk und Mazzinianern stärker zu betonen.41 An einer anderen Stelle verringert er die Bedeutung des Patriziats.42

Die französische Version der Insurrezione hat Cattaneo übrigens mit einer bewussten politischen Zielsetzung geschrieben: Der republikanische Zirkel, der sich im Luganer Exil versammelt hatte, hatte ihm die Aufgabe anvertraut, die politische Öffentlichkeit in Frankreich über den wahren Verlauf der Ereignisse zu informieren und der Propaganda der Emissäre des Königreichs Piemont-Sardinien entgegenzuwirken, die für die Niederlage nicht die eigene militärische Schwäche oder die Fehler der piemontesischen Generäle verantwortlich machte, sondern die Schuld auf die lombardische Bevölkerung abwälzte. Diese sei untätig und den Piemontesen gegenüber feindlich gesinnt gewesen, zudem habe die Parteilichkeit der Republikaner die politische Atmosphäre vergiftet. In einem zweiten Schritt sollte Cattaneo dann die französische Regierung dazu bewegen, die lombardische Unabhängigkeitsbewegung durch eine militärische Intervention zu unterstützen.43

Zum Abschluss dieser kurzen Quellenkritik der zwei für diese Arbeit bedeutendsten Schriften Cattaneos sei das Urteil des bekannten Historikers Gaetano Salvemini zitiert; dieser fällte in seiner 1922 erschienenen Introduzione zu einer Anthologie der Schriften Cattaneos das folgende Urteil:

E certo uno storico, il quale si confidasse al solo Cattaneo per comprendere i fatti del ’48, correrebbe rischio di essere traviato in più di una veduta da una polemica asprissima, la quale in ogni più intelligente errore di Carlo Alberto e dei moderati vede una perfidia calcolata. Ma quando la storia del Risorgimento non sarà più la agiografia dei vincitori, e saprà ritrovare la verità generosa nella polemica iraconda e la menzogna abilmente architettata nelle pagine dell’andamento calmo e rugiadoso, allora la Insurrezione e l’Archivio, emendati dai giudizi misti di troppa affezione, saranno le pietre angolari di ogni lavoro, che voglia essere serio, sugli aspetti politici della rivoluzione milanese e della guerra antiaustriaca del 1848.44

Weniger kritisch müssen wir im Falle der zahlreichen, von Cattaneo verfassten Briefe sein. Zwar ist eine recht große Zahl an Briefen verloren gegangen45, die noch erhaltenen geben jedoch einen unverfälschten Einblick in die politischen Tätigkeiten Cattaneos während der Jahre 1848/49 und zeigen, dass der Revolutionär mit führenden Akteuren aus fast allen urbanen Zentren der Halbinsel in Kontakt stand.46

Die Berichte und Briefe anderer Revolutionäre stellen weitere – nicht-cattaneische – Quellen zur mailändischen Revolution von 1848 dar, die zu einem großen Teil bereits im Archivio zitiert sind oder in den Carteggi als Briefe veröffentlicht wurden. Luigi Ambrosoli hat 1962 die nichtredigierte Originalversion der Berichte anderer Patrioten in einer kommentierten Ausgabe herausgegeben.47

Für die Zeit der nach dem Wiener Kongress restaurierten österreichischen Herrschaft in Mailand bis 1847 stellt Cesare Correntis anonym veröffentlichtes Buch L’Austria e la Lombardia48 eine wichtige Quelle dar. Mit ihm hat Correnti, der vor 1848 dem demokratischen, aber nicht-mazzinianischem Lager angehörte und sich ab Mai 1848 den moderati annäherte49, die wohl heftigste Kritik an der österreichischen Herrschaft formuliert.50

Es existieren auch Schilderungen des Geschehens aus der Sicht des anderen Lagers, und diese finden sich nur selten im Archivio – zahlreiche österreichische Generäle haben Berichte verfasst51, die aber hier nicht im Einzelnen aufgezählt werden. An dieser Stelle soll nur kurz der Bericht Feldmarschall Joseph Radetzkys erwähnt werden, den dieser an Außenminister Karl Ludwig von Ficquelmont nach Wien schickte.52

3. Vorgeschichte: Cattaneo und die Stadt Mailand in der Zeit vor der Revolution von 1848/49

Carlo Cattaneo wurde am 15. Juni 1801 als Sohn des Goldschmieds Melchiorre und der Maria Antonia Sangiorgi in Mailand geboren. Er war damit ein Kind der ‹französischen Zeit›, welche die Ära der seit 1714 bestehenden österreichischen Herrschaft über die Stadt Mailand unterbrach.

Am 20. April 1814 – zu einem Zeitpunkt, als Napoleon in Paris bereits zur Abdankung gezwungen worden war – brach in der lombardischen Metropole eine antifranzösische Revolte aus, in deren Verlauf der Finanzminister Giuseppe Prina, der symbolisch für den harten Fiskalismus stand, von der wütenden Menge gelyncht wurde. Vizekönig Eugenio Beauharnais und Vizepräsident Francesco Melzi D’Eril, die ein unabhängiges Königreich Italien zu gründen versuchten, konnten ihre Pläne weder gegen die austriacanti noch gegen die Itali purici, die unter Führung Federico Confalonieris eine regionale unabhängige Patriziatsregierung forderten, durchsetzen. Letztlich behielt die pro-österreichische Partei die Oberhand53, deren Verhalten Cattaneo später wiederholt kritisierte.54

3.1 Mailand im Zeitalter der Restauration: Die österreichische Herrschaft bis zur Wahl Pius’ IX. (1814–1846)

Am 12. Juni wurde die Lombardei dem Habsburgerreich einverleibt und am 7. April das Königreich Lombardo-Venetien begründet. Es lag in der Verantwortung Kaiser Franz’, dass das neu gegründete Königreich nicht nur ein Satellitenstaat war, sondern praktisch direkt von Wien regiert wurde. Dieser hatte lakonisch erklärt: «Die Lombarden müssen vergessen, daß sie Italiener sind. Meine großen italienischen Provinzen brauchen nur durch das Band des Gehorsams gegenüber dem Kaiser vereinigt zu sein.»55

Viele der unter Napoleon erfolgten Neuerungen blieben erhalten, die Schwächung der Kirche wurde nicht rückgängig gemacht; Verwaltung, Justiz und Schule funktionierten im Vergleich zum übrigen Italien außerordentlich gut, die neu eingeführte Schulpflicht drängte den Analphabetismus zurück, Klientelismus und Korruption, die für die Staaten Mittel- und Süditaliens prägend waren, kannte man in der österreichisch regierten Lombardei nicht.56

Das politische Klima war zwar durch scharfe Polizeikontrollen gekennzeichnet und auch die Zeitschrift Conciliatore wurde von der Zensur verboten57; das reicht aber nicht aus, um zu erklären, warum ausgerechnet Österreich im italienischen Vormärz zu dem Feind der nationalen Bewegung wurde. Die zunehmende anti-habsburgische Gesinnung manifestierte sich in Poesie und Literatur und wurde in den 1840er-Jahren in politischen Schriften gemäßigter Liberaler formuliert.58 Baron Carl von Hügel meinte: «Wir sind nicht beliebt in diesem Lande.»59 Und Graf Strassoldo gab bereits 1820 in einem Bericht an Metternich zu, dass die Österreicher keinen Rückhalt unter der lombardischen Führungsschicht hätten.60 Die Ressentiments der gehobenen lombardischen Schichten scheinen auch mit der Tatsache der Fremdherrschaft zusammenhängen – man beachte in diesem Zusammenhang etwa das Diktum des venezianischen Revolutionärs Daniele Manin: «Wir wollen nicht, dass die Österreicher menschlicher werden, wir wollen, dass sie aus Italien verschwinden.»61 Ein weiterer Grund für die wachsende Abneigung der italienischen Liberalen war, dass die Habsburger ihren italienischen Satellitenstaat durchaus finanziell ausbeuteten – die Steuerlast war noch schwerer als in napoleonischer Zeit. In Cattaneos Insurrrezione heißt es, Österreich wolle nichts anderes als eine «deutsche Macht» in Italien sein, und den einzelnen Nationen der multi-ethnischen Monarchie bleibe nichts anderes übrig, als ihr Dasein als «Vasallen» der Deutschen zu fristen.62 Die Behauptung, die italienischen Untertanen der habsburgischen Krone würde nur ein Achtel der Gesamtbevölkerung des Vielvölkerstaats ausmachen, jedoch ein Drittel der Steuern zahlen, hat Cattaneo wohl aus Correntis L’Austria e la Lombardia übernommen und propagandistisch noch weiter übertrieben, da Correnti bezüglich des Steueranteils nur von einem Viertel spricht (und einem Siebtel der Bevölkerung).63 Die moderne Forschung relativiert die zeitgenössischen lombardischen Proteste gegen die Besteuerung insofern, als sie auf die hohen Staatsausgaben für die Verwaltung im Königreich Lombardo-Venetien aufmerksam macht; dennoch bleibt es richtig, dass die Besteuerung vergleichsweise hoch und für die Wiener Staatskasse förderlich war.64

Der Widerstand gegenüber der österreichischen Herrschaft trat erstmals mit der lombardischen Verschwörung von 1821 offen zu Tage. Die im Königreich Neapel-Sizilien in napoleonischer Zeit entstandene Carboneria hatte sich zu diesem Zeitpunkt über weite Gebiete Italiens ausgebreitet – bei ihr handelte es sich um eine oppositionelle Bewegung mit unklar definierten und inhomogenen Zielen.65 In Mailand stellte Confalonieri, der einstige Initiator des Aufstandes von 1814 gegen die französische Besatzungsmacht, die führende Persönlichkeit der Opposition dar. Als in Spanien 1820 ein Aufstand ausbrach, der die Wiedereinführung der liberalen Verfassung von 1812 forderte, dehnte sich dieser auf das Königreich beider Sizilien und später auch auf Piemont aus. Die geplante Verschwörung in Mailand wurde aufgedeckt; das Gerichtsurteil sah zunächst die Todesstrafe für die Beteiligten vor, diese wurde dann aber in eine lebenslängliche oder circa 20-jährige Haftstrafe in der Festung Spielberg umgewandelt. Silvio Pellicos 1832 erschienenes autobiographisches Buch Le mie prigioni trug nicht wenig dazu bei, dem Ansehen Österreichs weiter zu schaden.

Von den Erhebungen infolge der französischen Julirevolution, die andernorts in Italien ausbrachen, blieb Mailand unberührt. Als nach der Zerschlagung der Carboneria Mazzini seine demokratische Bewegung Giovine Italia gründete, bildete sich auch in Mailand eine Fraktion dieser neuen Partei, um deren Ausbreitung sich vor allem Fedele Bono bemühte.66

3.2 Der ‹Reformer›: Carlo Cattaneo bis 1848

Das Mailand der Restaurationszeit hatte sich indessen zur kulturell lebhaftesten Stadt der Halbinsel mit einem florierenden Büchermarkt entwickelt.67 Den literarischen Höhepunkt der Epoche stellte die Veröffentlichung von Alessandro Manzonis Promessi Sposi dar, von dem später Cattaneo sagte, es sei zu weit gegriffen, ihn mit diesem auf eine Stufe zu stellen.68

Auch Cattaneo gelang es, in den Jahren vor dem Ausbruch der Revolution zu einem der angesehensten Intellektuellen der lombardischen Metropole aufzusteigen. Nachdem er die zunächst am Seminar von Lecco, dann in Monza begonnene Priesterlaufbahn abgebrochen hatte, setzte er seinen Bildungsweg am staatlichen Gymnasium Santa Marta in Mailand fort. Diese Entscheidung des jungen Cattaneo ist insofern bemerkenswert, als sich schon hier die für ihn in späteren Zeiten typische säkulare Weltanschauung zeigt. Kurz nach den erfolgreichen Abschlussprüfungen erhielt Cattaneo am 13. November 1820 eine Stelle als Lehrer am städtischen Gymnasium Santa Marta. Zeitgleich zu seiner Lehrtätigkeit besuchte der 19-Jährige die universitären Kurse Gian Domenico Romagnosis. Nachdem dieser – Philosoph und einer der größten Rechtsgelehrten seiner Zeit – seine Lehrtätigkeit hatte aufgeben müssen69, setzte Cattaneo seine Beschäftigung mit der Rechtswissenschaft im Selbststudium fort und wurde am 19. August 1824 zum Doktor der Rechte promoviert. Romagnosi blieb bis zu seinem Tod 1835 für Cattaneo eine Art väterlicher Freund. Als Lieblingsschüler Romagnosis sah Cattaneo das Prinzip der Gemeinschaftlichkeit als Grundlage des kollektiven Lebens und der voranschreitenden Verbürgerlichung der Gesellschaft an; in seinem Geschichtsbild vereinen sich das aufklärerische Vertrauen in die erhellende Kraft der Vernunft, der (wenn auch relativierte, in seiner Auffassung niemals eindimensional voranschreitende) Fortschrittsoptimismus und das volle, der Romantik entlehnte Bewusstsein der Historizität menschlichen Zusammenlebens.70


Bild 3: Holzschnitt des jungen Carlo Cattaneo von Edoardo Matania auf Grundlage eines Aquarells von Ernesta Legnani Bisi aus dem Jahr 1826. (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Matania_Edoardo_-_Ritratto_giovanile_di_Carlo_Cattaneo_-_xilografia_-_1887.jpg)

In den frühen Mailänder Jahren las Cattaneo viel – seine Lektüren reichten von Geschichte und Philosophie über Ökonomie und Linguistik bis hin zu technischen und naturwissenschaftlichen Themenfeldern und wurden dadurch erleichtert, dass Verwandte von ihm in der Biblioteca Ambrosiana und der Biblioteca Braidense arbeiteten.

1822 hatte Cattaneo begonnen, Artikel für verschiedene Zeitschriften zu verfassen. Nachdem er 1835 seine Lehrtätigkeit am Mailänder Gymnasium beendet hatte, intensivierte sich seine schriftstellerische Arbeit. Ende 1838 gründete er seine eigene Zeitschrift, den Politecnico71, der zunächst bis 1844 erschien und dessen Herausgabe Cattaneo dann erst 1859 wiederaufnahm.

Cattaneo war, zumal nicht an der Verschwörung von 1821 beteiligt, von der österreichischen Polizei zunächst als ungefährlich eingestuft worden. Dies änderte sich aber im Laufe der 1840er-Jahre: Erst am 21. Januar 1843 wurde Cattaneo Mitglied des Lombardisch-Venetischen Instituts, der höchsten akademischen Institution des Königreichs. Nach seiner eigenen Aussage war seine Ernennung lange aufgrund des Widerstands der österreichischen Seite abgelehnt worden.72 1844 nahm er am mailändischen Wissenschaftlerkongress teil und stellte seine Notizie naturali e civili su la Lombardia73 vor. Ab 1845 bekleidete er einen Posten als Sekretär und Mitarbeiter der Società d'incoraggiamento delle arti e dei mestieri, die 1841 der Deutsche Heinrich Mylius gegründet hatte. Gegen den Willen der österreichischen Regierung veröffentlichte Cattaneo im Januar 1848 einen Bericht über die Lehre und das Druckwesen, in dem er die Zulassung lombardischer Freiwilligenverbände forderte. Als Konsequenz schlug die Polizei vor, ihn nach Slowenien zu verschleppen, was nur dank des Eingreifens von Mylius verhindert wurde.74

Wie bereits erwähnt war Cattaneo als Schriftsteller zu Beginn des Jahres 1848 in Intellektuellen-Kreisen höchst angesehen; als Politiker war er hingegen noch nicht in Erscheinung getreten. Cattaneo lehnte zwar die Geheimbund-Strategie Mazzinis ab, die auf das künstliche Anzetteln von Aufständen abzielte, zugleich schloss er die Revolution als Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen jedoch nicht gänzlich aus75 – sein Verhältnis zur Revolution beschrieb er einmal so: «Una rivoluzione è una febbre e non viene a tutto un popolo per commando di chicchessia. È mestieri aspettarla.»76

3.3 Mailand an der Schwelle zur Revolution (1846–1848)

Die cinque giornate vom März 1848 fielen nicht vom Himmel. Die Nachricht von der Wiener Revolution hätte nicht ausgereicht, eine solche Revolte auszulösen, wenn sich nicht schon im Vorfeld die politische Situation immer mehr zugespitzt hätte. Bereits am 3. Dezember 1847 bemerkte der britische Konsul Henry Dawkins in seinem Bericht an die Regierung: «La separazione tra austriaci e milanesi si fa più che manifestata; e per verità è difficile concepire come l’avversione che i milanesi in ogni possibile occasione manifestano ai loro dominatori, possa spingersi più oltre, senza aperto conflitto77

Der Bürgermeister der Stadt Gabrio Casati war 1844 nach Wien gereist, um ein Reformprogramm vorzustellen; die österreichischen Minister hatten jedoch nicht die geringste Bereitschaft gezeigt, den Wünschen der Bevölkerung entgegenzukommen.78 Die Sympathie für Carlo Alberto und Piemont-Sardinien nahmen in den Monaten vor dem Ausbruch der Revolution, insbesondere nach Erlass des Statuto Albertino, ungemein zu.79 Vieles spricht dafür, dass Casati sogar schon vor 1848 im Geheimen über Verbindungsmänner Kontakt mit dem piemontesischen König aufnahm.80

In Rom wurde im Juni 1846 Graf Giovanni Maria Mastai Feretti, der bisherige Bischof von Imola und ein Gegner der Zelanti, zum Nachfolger Gregors XVI. auf den päpstlichen Stuhl gewählt. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt erließ der neue Papst, der sich für sein Pontifikat den Namen Pius IX. ausgesucht hatte, eine Amnestie, die auch für politische Gefangene Geltungskraft besaß; außerdem weckte er Hoffnungen auf Reformen, weshalb er von der italienischen Öffentlichkeit für einen Vorkämpfer des Liberalismus und Nationalismus gehalten wurde. Die von dem Turiner Geistlichen Vicenzo Gioberti in seinem Buch Il Primato morale e civile degli Italiani 1842/43 entworfenen Pläne zur Errichtung einer Föderation italienischer Staaten unter päpstlichem Vorsitz erschienen angesichts dieses Ereignisverlaufs realisierbar.81 Die nach der pro-päpstlichen Partei des hohen Mittelalters benannten neoguelfi erhielten enormen Zulauf und eine Welle der Begeisterung ergriff die Bevölkerung: In fast allen Städten der Halbinsel wurden Feiern für Pio Nono organisiert, auch – obgleich mit etwas Verspätung – in Mailand.82

Gleichzeitig kam es zu Unruhen auf dem Lande – die Missernten von 1845/46 hatten die wirtschaftliche Situation der Bauern verschärft. Die Aussage Radetzkys, die ländliche Bevölkerung sei im Gegensatz zur städtischen den Habsburgern freundlich gesinnt, trifft laut dem Historiker Franco Della Peruta nicht zu; zu viele Gründe – die Wehrpflicht, die Steuern, die Belastung durch das Salzmonopol, die Erhebung von Geldstrafen – hätten auch ihren Unmut gegen die Besatzungsmacht erregt.83

1847 kam Richard Cobden, ein Manchesterliberalist, der gegen eine Besteuerung des Weizens kämpfte, im Rahmen seiner Italienreise nach Mailand. Cattaneo weigerte sich, die geplante Bankettrede zu halten, nachdem die Zensur zuvor seinen Text hatte überprüfen wollen.84

Nach dem Tod des Mailänder Erzbischofs Gaisruck wurde der Bergamasker Carlo Bartolomeo Romilli, der bisherige Bischof von Cremona, zu seinem Nachfolger ernannt. Die Wahl eines Italieners stellte den Anlass für einen besonders feierlichen Empfang dar, und so stellte die Kommunalregierung auf Wunsch der Bevölkerung den Antrag, die bereits abgehaltenen Feierlichkeiten vom 5. September drei Tage später noch einmal zu wiederholen. Nach widerwilliger Genehmigung dieses Antrags kam es am Abend des 8. September zum gewaltsamen Zusammenstoß zwischen der Polizei und der Menge85, die Hymnen auf Pius IX. sang. Nach dem Vorfall zählte man einen Toten und rund 60 Verletzte.86

Seit Mitte September veränderte sich das Antlitz der städtischen Häusermauern: Überall waren Schriften wie Viva l’Italia, Morte ai tedeschi oder Viva l’Indipendenza zu lesen, die die Bevölkerung nachts angebracht hatte und die zu entfernen der Polizei nicht rechtzeitig gelang.87

Am 24. November erklärte die Wiener Regierung den Ausnahmezustand im Königreich Lombardo-Venetien.88 Giovan Battista Nazari arbeitete ein 15 Punkte enthaltendes Programm aus, das von der lombardo-venetischen Delegation dem österreichischen Kaiser vorgestellt wurde, aber keine Veränderung bewirkte.89

Im Januar des Folgejahrs führte ein ausgedehnter Streik zur weiteren Verschärfung der Konfliktlage; der Boykott des Rauchens und kurz darauf auch des Lottospiels sollte nach Plan der mailändischen Revolutionäre die österreichische Wirtschaft schwächen. Auf einem Flugblatt riefen die Gebrüder Giovanni und Gaetano Cantoni sowie Giovanni Pezzotti zum Boykott auf, indem sie diesen in Zusammenhang mit dem Ausbruch der Amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung brachten: «I concittadini di Franklin s’astennero tutti dal the: immitateli; d’oggi innanzi rifiutate il tabacco.»90 Dawkins berichtete am 6. Januar Palmerstone über den vergangenen Sonntag:

[T]utta la cittadinanza si affollava nelle vie principali; e dapprima quasi nessuno si vedeva fumare. A ora più tarda, comparvero varj fumatori sì civili che militari; i primi vennero per la più parte costretti dalla folle a gettare i loro sigarri, e molti dei secondi vennero accolti con fischi ed urli.91

Am 3. Januar kam es zu einem gewaltsamen Zusammenstoß zwischen den vom eben ausgeschenkten Branntwein angeheiterten Soldaten und der mailändischen Bevölkerung, bei dem 113 Personen verletzt wurden.92

Die italienischen Grenadiere wurden kurz vor dem Ausbruch der Wiener Revolution nach Verona versetzt.93 Die Armee in Lombardo-Venetien war außerdem von 35.000 auf 80.000 Mann aufgestockt worden.94

Grundsätzlich lassen sich im vorrevolutionären Mailand drei politische Gruppierungen unterscheiden: Liberale, Mazzinianer und die sonstigen Republikaner, zu denen auch Cattaneo und sein lebenslanger Freund Giuseppe Ferrari gehörten.95 Aufgrund der fatalen finanziellen Lage, in der sich die Monarchie im Vorfeld der 48er-Revolution befand, hielt Cattaneo baldige Reformen für wahrscheinlich.96 Da der mailändische Aufstand schließlich in eben dem Moment ausbrach, als Österreich Reformen zu verkünden beabsichtigte, scheint er ein Paradebeispiel für den Tocqueville-Effekt darzustellen.97

4. Die Eskalation: Carlo Cattaneo und die cinque giornate

Im März 1848 hatte Radetzky in unmittelbarer Umgebung der 160.000 Einwohner zählenden Stadt ca. 14.000 Soldaten versammelt.98 Außerdem konnte er bei Bedarf auf Verstärkung aus den unweit gelegenen Städten Monza, Lodi und Crema zählen, die alle einen Tagesmarsch oder wenig mehr von Mailand entfernt waren.99 Die Provokation eines mailändischen Aufstandes schien angesichts dieser Situation einem kollektiven Selbstmord zu gleichen, deshalb sprach sich auch Cattaneo zunächst gegen eine revolutionäre Erhebung aus.

Am 13. März war in Wien die Revolution ausgebrochen: Metternich, die Personifikation der Restaurations-Ära, musste noch am selben Tag abdanken und nach England fliehen. Am Abend des 17. März erhielt Cattaneo von einem Bekannten die Nachricht, dass der österreichische Vizepräsident der Lombardei Heinrich O’Donnell am kommenden Tag als Folge der Wiener Ereignisse die Aufhebung der Zensur verkünden werde.100 Daraufhin fasste der Intellektuelle den Plan für die Veröffentlichung einer neuen Zeitung, die bereits am Folgetag erscheinen sollte. Die ganze Nacht hindurch schrieb Cattaneo an seinem Cisalpino. Die Zeitung wurde zwar letztlich nicht veröffentlicht, der Text ist aber als Quelle von unschätzbarem Wert, zumal er einen Einblick in Cattaneos politische Ansichten an der Schwelle zu den cinque giornate gibt. Die Schrift begrüßte den Sieg der Prinzipien des Nationalismus und Liberalismus101 und forderte den totalen und sofortigen Abzug der lombardo-venetischen Besatzungstruppen.102 Zugleich stellt der Aufsatz einen entscheidenden Schritt in der Entwicklungsgeschichte des ‹cattaneischen› Föderalismus dar: Als politisches Ziel schwebte Cattaneo ein Freiheitspakt zwischen den verschiedenen im Habsburgerreich vertretenen Nationalitäten vor, für den gewissermaßen die in Belgien und der Schweiz verwirklichten Staatenbünde als Modell dienten.103 Die Vereinigung aller italienischen Völker verschob er hingegen auf die nahe Zukunft.

Kurz nach dem Morgengrauen des 18. März besuchten zwei demokratisch gesinnte Freunde Cattaneo. Sie unterrichteten ihn von ihren Plänen, den amtierenden Bürgermeister dazu aufzufordern, im Namen des Volkes Forderungen zu stellen – ein Unterfangen, welches fast unausweichlich einen militärischen Konflikt mit der österreichischen Besatzungsmacht nach sich gezogen hätte. Cattaneo riet angesichts der anfangs beschriebenen Kräftekonstellation davon ab und schloss auch eine Mitarbeit aus, da ihm ein Gelingen des Aufstands gegen die militärische Übermacht Österreichs unwahrscheinlich erschien.104

64 Stunden nach dieser Unterredung sollte Radetzky jedoch in seinem Bericht an Ficquelmont notieren:

Die Stadt Mailand ist in ihren Grundfesten aufgewühlt; und es dürfte schwer sein, sich einen Begriff daran zu machen. Nicht hunderte, sondern tausende von Barricaden sperren die Strassen … Der Charakter dieses Volkes scheint mir mit einem Zauberschlage umgewandelt; der Fanatismus hat jedes Alter, jeden Rang und jedes Geschlecht ergriffen.105

Die Situation in der lombardischen Metropole hatte sich fundamental verändert. Die Spannungen, die sich in den vorangegangenen Jahren aufgebaut hatten und im Raucherstreik vom Januar erstmals kulminiert waren, entluden sich nun. Hatte es vorher nur vereinzelte gewaltsame Zusammenstöße gegeben, so herrschte nun Krieg.

Am 17. März hatte Correnti ein Flugblatt106 in Umlauf gebracht, das einen sieben Punkte umfassenden Forderungskatalog enthielt – dieser entsprach in etwa den deutschen ‹Märzforderungen› – und mit der Einladung endete, die Bevölkerung möge sich zur Demonstration am 18. in der Corsia dei servi zwischen Dom und San Babila treffen.107 Der von Casati beruhigte O’Donnell verzichtete schließlich darauf, am Tag der Ankündigung der neuen Freiheiten die Truppen Radetzkys aufmarschieren zu lassen. Auch der 81-jährige General selbst hielt den Ausbruch einer Revolte zu diesem Zeitpunkt für höchst unwahrscheinlich und unterließ daher eine militärische Intervention.108 Das war von höchster Bedeutung für den folgenden Verlauf der Kämpfe, da sonst die Revolution wohl bereits im Keim erstickt worden wäre. Als Casati sich in der Via Monforte der lärmenden und fordernden Menschenmenge gegenübersah, die «Morte ai tedeschi» und «Viva l’Italia» schrie, war er noch überzeugt, die Situation friedlich lösen zu können; die Lage eskalierte jedoch, die Menge drang in den Palast ein, die wenigen ungarischen Grenadiere vermochten sie nicht aufzuhalten. Eine von dem Seminaristen Giovanni Battista Zafferoni erdolchte österreichische Wache war das erste Todesopfer der mailändischen Erhebung vom März 1848.109 Bezeichnenderweise erwähnt Cattaneo all dies im Kapitel «Sollevazione» seiner Insurrezione nicht, was erneut zeigt, dass er die Bedeutung der Mazzinianer in der Vorbereitung des Aufstandes herunterzuspielen versuchte.

Nachdem die Revolte also tatsächlich ausgebrochen war, überwand Cattaneo sein anfängliches Zögern und partizipierte aktiv am Geschehen. Clara Maria Lovett hat Cattaneo als «Revolutionär wider Willen» bezeichnet.110 Auf seine Initiative hin wurde ein Kriegsrat gegründet, dessen Aufgabe darin bestand, ein einheitliches Vorgehen unter den Barrikadenkämpfern zu bewirken.111 Den größten Teil seiner Energien richtete Cattaneo nun auf die Intensivierung des Aufstandes. Neben ihm gehörten dem vierköpfigen Consiglio di guerra seine engen Vertrauten Giulio Terzaghi, Giorgio Clerici und Enrico Cernuschi an.112

Schenken wir Cattaneos Darstellung Glauben, so war es auch sein Verdienst, das Morden und Lynchen von Vertretern der alten Mächte, wie es in anderen Revoluzionszentren 1848 durchaus vorkam113, in Mailand zu verhindern. Als die Aufständischen ihn fragten, wie sie mit ihrem Gefangenen Graf Bolza – dem Verantwortlichen für die Zusammenstöße im Januar und September des vorigen Jahres, die eine hohe Zahl an Opfern gefordert hatten – verfahren sollten, antwortete Cattaneo: «Se lo ammazzate [...] fate una cosa giusta; se non lo ammazzate fate una cosa santa.»114 Die Menge entschied sich für das Letztere. Wenig später erließ der Kriegsrat einen offiziellen Aufruf, in dem angemahnt wurde, die Bürger sollten ihre Gegner, wenn diese sie auch 30 Jahre lang schlecht behandelt hätten, um ihres Stolzes und ihrer Großzügigkeit willen nicht ermorden, sondern mit ihrer Verachtung bestrafen.115

Am 20. März schlug Radetzky erstmals einen auf 15 Tage befristeten Waffenstillstand vor; dass dieser abgelehnt wurde, war in jedem Fall auch der resoluten Haltung Cattaneos geschuldet. Die Mitglieder des mailändischen Patriziats, Casati eingeschlossen, hatten bis zum Schluss versucht, in den Bahnen der Legalität zu verbleiben116, und selbst zu diesem Zeitpunkt noch war ihnen der völlige Bruch mit Österreich nicht willkommen; sie fürchteten eine sozialrevolutionäre Volkserhebung, zumal der Bürgermeister die Forderung nach der Bildung einer provisorischen Regierung zunächst zurückwies. Dementsprechend waren der podestà und seine gemäßigten, pro-piemontesisch gesinnten Freunde geneigt, Radetzkys Angebot anzunehmen. Cattaneo hingegen argumentierte in seiner berühmten Rede vor dem Kriegsrat, dass man erstens die Barrikadenkämpfer nicht mehr zurückrufen könne, zweitens die eventuell vom Lande und aus anderen Städten zu Hilfe eilenden Heere verraten und ins Verderben laufen lassen würde. Auf seine anfängliche Frage, ob sie als die führenden Köpfe der Revolution denn sicher sein könnten, nicht in der ersten Nacht nach Abschluss des Waffenstillstands, in der sie in ihren Betten schliefen, überrascht und aufgeknüpft zu werden, entgegnete der Gesandte Sigmund von Ettinghausen empört, ob Cattaneo nichts von der Kriegsehre halte. Dieser gab daraufhin zu bedenken, wie schnell ein unbedachter Schuss fallen könne, der den Vertrag annulliere. Das von ihm dargelegte Angebot eines freien Rückzugs konnte wiederum der Österreicher nicht annehmen. Die Rhetorik wirkte: Cattaneo fand genügend Anhänger unter den Anwesenden, und seine Entscheidung setzte sich durch.117 Die Szene wiederholte sich im Grunde noch einmal am Folgetag, nun im Kontext eines Angebots für einen dreitägigen Waffenstillstand, welches ebenfalls abgelehnt wurde. Dieses Mal sprach Cattaneo offen die militärischen Vorteile an, die sich im Falle einer Annahme für den Feind ergeben hätten: Dieser hätte seine Lebensmittel- und Munitionsvorräte auffüllen können, die in der derzeitigen Situation nur noch für 48 Stunden ausreichten.118 So gibt zumindest die bisweilen stark romanhaft anmutende Version Cattaneos die Ereignisse wieder. Es ist in Zweifel gezogen worden, dass sich die Ablehnung des ersten Waffenstillstandes tatsächlich so abgespielt hat wie in der Insurrezione beschrieben. Cattaneo scheint sich hier allzu sehr in den Vordergrund gestellt zu haben119, zumal seine Darstellung von der von Ettinghausens differiert.120

Die Liberalen bemühten sich indessen, Cattaneo und den Kriegsrat auszubremsen. Dem republikanisch gesinnten Consiglio di guerra wurde ein moderateres Comitato di difesa entgegengesetzt, welches sich aus fünf Mitgliedern zusammensetzte.121 Meinungsverschiedenheiten traten auch in der Frage auf, ob man ein Hilfsgesuch an das Königreich Piemont-Sardinien schicken sollte. Diese stellte sich, als der wenige Wochen zuvor von der provisorischen Regierung ausgesandte Graf Enrico Martini in die Stadt zurückkehrte. Während sich die liberale Mehrheit dafür aussprach, war der anti-savoyisch eingestellte Cattaneo ein vehementer Gegner dieser Idee. Hier konnte er sich aber nur insofern durchzusetzen, als die Depesche zwar verschickt, dabei jedoch die von Cattaneo vorgeschlagene Kompromisslösung, die politische Diskussion auf die Zeit nach einem Sieg über Österreich – a causa vinta122 – zu verschieben, realisiert wurde.123 Während der Debatte hatte Cattaneo sein klares Misstrauen gegenüber dem piemontesischen König zum Ausdruck gebracht:

Io ho ferma credenza che dobbiamo chiamare alle arme tutta l’Italia, e fare una guerra di nazione. Se poi il vostro Carlo Alberto sarà il solo che venga a soccorrerci, avrà egli solo l’ammirazione e la gratitudine dei popoli; e nessuno potrà impedire che il paese sia suo.124

Die Befürchtungen Cattaneos waren, wie der Gang der Geschichte gezeigt hat, durchaus nicht unberechtigt. Die Aufnahme des Krieges 1848 gegen Österreich durch das Königreich Piemont-Sardinien und dessen Motive für diese Entscheidung sind in der Historiographie ausführlich und kontrovers diskutiert worden. Es besteht mittlerweile Konsens darüber, dass es sich primär um einen Annexionskrieg handelte. Das nationale Banner, unter dem der aufgenommene Krieg proklamiert wurde («L’Italia farà da sé»125), sollte auch eigene Aspirationen befriedigen. Dafür sprechen die frühzeitig durchgeführten Annexionen mithilfe von Plebisziten.126 Die Behauptung, Carlo Alberto habe im Aufstand von 1830 die nationale Bewegung verraten – Cattaneo gebraucht dieses Wort gerne zur Charakterisierung seiner Feinde127 –, ist meines Ermessens in dieser Schärfe jedoch historisch nicht haltbar.128

Am 22. März bildete Casati schließlich doch noch eine provisorische Regierung129, die sofort versuchte, Cattaneo in die politische Defensive zu drängen. Der Gegensatz zwischen provisorischer Regierung und Kriegsrat verschärfte sich weiterhin. Noch am selben Tag wurden Cattaneo und seine Mitarbeiter dazu gezwungen, ihr Amt niederzulegen und einem größeren Kriegskomitee beizutreten, in dem moderati und democratici gleichermaßen vertreten waren und das unter Aufsicht der provisorischen Regierung stand. Cattaneo kommentierte dies folgendermaßen:

Codesto modo quasi furtivo di mettersi alla testa d’una rivoluzione, era consono alli altri atti di quella fatale congrega, che in quattro mesi condusse per torte strade un popolo fidente e generoso dalla vittoria all’impotenza e alla disperazione […] il consiglio di guerra visse solo quarantotto ore.130

Casati versuchte indessen, eine schnellere Intervention Piemonts hervorzurufen. In einem Brief an den Privatsekretär von Carlo Alberto, den Grafen von Castagneto, heißt es: «Non perdete un istante, giacché se sono la testa del governo lo sono semplicemente per iscongiurare l’anarchia o qualche cosa che v’assomiglia.»131

Am 24. März hatte Carlo Alberto Österreich den Krieg erklärt132, einen Tag später überquerte seine Armee den Ticino. Diese betrat damit lombardischen Boden, wohlgemerkt jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem sich die mailändische Bevölkerung bereits aus eigener Kraft befreit hatte: Radetzky hatte für den Abend des 22. März den Befehl zum Rückzug gegeben133, seine Armee sollte sich daraufhin im oberitalienischen Festungsviereck Mantua-Peschiera-Verona-Legnano verschanzen. Das Ende der cinque giornate wurde von dem zeitgleichen Läuten der rund 60 Glockentürme begleitet.134

5. Ausblick

Die Revolutionen von 1848/49 sind, gemessen an ihren Zielen, bekanntlich in allen Ländern Europas, wo sie denn ausbrachen, gescheitert. Für Mailand war das revolutionäre Zwischenspiel bereits mit den militärischen Niederlagen Piemonts beendet: Am 6. August 1848 zog das kaiserliche Heer in Mailand ein.

Nachdem die Liberalen die ganze Macht übernommen hatten, verbrachte Cattaneo, ins politische Abseits gedrängt, im Sommer 1848 die wohl bittersten Monate seines Lebens in seiner Heimatstadt. Am 7. April besuchte Mazzini Mailand. Am Folgetag wurde die provisorische Regierung der Stadt in eine provisorische Regierung der gesamten Lombardei umgeformt. Am 29. Mai organisierte die provisorische Regierung im Widerspruch zum ursprünglich vereinbarten Grundsatz a causa vinta Plebiszite in den Städten der Lombardei, die fast überall eine überwältigende Mehrheit für den Anschluss an Piemont-Sardinien erbrachten. Mit dessen militärischen Niederlagen bei Custozza am 24. Juni 1866 und nach Wiederaufnahme des Krieges bei Novara am 23. März des Folgejahrs wurden diese jedoch faktisch bedeutungslos. Cattaneo begab sich nach dem Triumph der Restauration ins Pariser Exil, um die dortige Regierung zu einer Intervention in der Lombardei zu bewegen; das Vorhaben scheiterte. In den 1850er-Jahren kam es zum gänzlichen Bruch mit Mazzini. Seine restlichen Lebensjahre verbrachte Cattaneo in Castagnolo bei Lugano als angesehener Bürger, Schriftsteller und Schullehrer. Dort verstarb er am 5. Februar 1869.

Bild 4: Totenmaske Carlo Cattaneos, heute im mailändischen Museo del Risorgimento. (priv.)

6. Schlussbetrachtung

In der Einleitung wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, dass Cattaneo vor und nach den cinque giornate niemals die Rolle des aktiv handelnden Politikers übernahm; man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass er auch während des Fünf-Tage-Aufstandes genau genommen nur für 48 Stunden im Rampenlicht der politischen Bühne stand.135 Welches Gewicht hatte sein Auftreten somit in den mailändischen Ereignissen des Jahres 1848? Der lombardische Intellektuelle war ein Außenseiter, und in der Rolle des intellektuellen Ex-Politikers, der an den Fehlern der anderen gescheitert war, scheint er sich gefallen zu haben. Im vorliegenden Text wurden Passagen zitiert, die als bissige Polemik bezeichnet werden können und die darlegen, dass Cattaneo für das Scheitern ausschließlich die militärischen Fehler Piemont-Sardiniens und die pro-piemontesische Politik der mailändischen Liberalen verantwortlich machte.

Angesichts der geschilderten Ereignisse mag man meinen, dass Cattaneo wenigstens in der Lokalgeschichte und in Bezug auf die mailändische Revolution auch als Politiker eine zentrale Rolle gespielt habe. Dadurch dass Cattaneos Haltung zweimal für die Ablehnung des Waffenstillstands ausschlaggebend gewesen ist, habe er überhaupt erst den Sieg der mailändischen Bevölkerung gegen die Soldaten Radetzkys ermöglicht. Gleiches gelte für seine Inititative bei der Gründung des Kriegsrates, durch die er entscheidend die militärische Lage der Aufständischen verbessert habe. Wer so urteilt, folgt jedoch wohl noch immer zu leichtgläubig der «geschickt konstruierten Lüge» Cattaneos.136 Aus der vorliegenden Analyse ist klar hervorgegangen, dass Cattaneo in der Insurrezione seine eigene Rolle überbetont hat. Es kann somit keineswegs die Rede vom ‹Antihelden Cattaneo› sein. Carlo Moos hat 1992 zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass die Mazzinianer besser als Cattaneo die konkrete politische Realität und insbesondere «das Problem der Waffen» früher als dieser erkannt haben.137 Moos gesteht Cattaneo zwar eine wichtige, aber keine entscheidende Rolle zu: Aufgrund der Knappheit an Lebensmitteln hätten sich die Österreicher ohnehin zurückziehen müssen.138

Bereits im Programm des Cisalpino manifestiert sich ein für die nachfolgenden Ereignisse der cinque giornate essentielles Charakteristikum von Cattaneos politischer Zielsetzung: Im Gegensatz zu den moderati und auch den mazziniani, die eine Intervention Piemont-Sardiniens nach Ausbruch des Aufstands gegen die österreichische Besatzungsmacht befürworteten und damit der nationalen Unabhängigkeit Vorrang vor der demokratischen Freiheit gewährten, galt für Cattaneo das Primat der Freiheit vor der Einheit. Wie sich im späteren Ereignisverlauf zeigen sollte, war Cattaneo in diesem Punkt zu keinem Kompromiss bereit und vielmehr bestrebt, um jeden Preis zunächst die politische Freiheit in der Lombardei zu realisieren.

Cattaneos politisches Programm war dadurch individuell, gewissermaßen genuin ‹cattaneisch›, und lässt sich keiner der vorherrschenden Strömungen zuordnen. Mit Mazzini hat er sein politisches Scheitern wie auch sein späteres Leben im Exil und seine Abneigung gegenüber dem späteren, unter savoyischer Führung gegründeten Königreich Italien gemein.139 Freilich war er auch ebenso wie dieser Republikaner, Föderalist und Demokrat, mehr democratico als moderato, unterschied sich jedoch sowohl wegen seines eben erläuterten föderalistischen Konzepts als auch in der Wahl der Mittel von den Mazzinianern, die er später im Archivio dann auch immer heftiger kritisierte140: Während die Angehörigen der Giovine Italia beständig durch Verschwörungen und damit auf eine in gewissem Sinne künstliche Art Aufstände anzuzetteln versuchten, hielt es Cattaneo für sinnvoller, den Ausbruch einer Revolution abzuwarten.141 Vor 1848 plädierte er zwar noch für den evolutionären Weg der Modernisierung, den der Reformen ‹von oben›, die Annahme, ihn selbst in dieser Periode deshalb den moderati zuzuordnen, geht aber fehl. Von diesen, insbesondere von den Neoguelfisten um Vicenzo Gioberti142, unterschied ihn sein radikaler Laizismus ebenso wie der absolut verstandene Freiheitsbegriff, der sich nicht nur wie bei den Liberalen auf die besitzbürgerlichen Schichten bezog, bereits in seiner noch ‹reformerischen Phase›.143 Auch die Behauptung, er sei ein reiner Reformer gewesen, ist streng genommen falsch, da er die Revolution als Mittel zur Durchsetzung politischer Rechte nicht grundsätzlich ausschloss. Selbst zu Giuseppe Ferrara, der ebenfalls ein Schüler Romagnosis war, gibt es hinsichtlich des politischen Denkens deutliche Differenzen, da dessen Föderalismus zentralistischer geprägt war und eine übergreifende Versammlung für einen Staatenbund vorsah.144 Cattaneo entwickelte nie eine wirkliche föderalistische ‹Theorie›. In seiner diesbezüglich wichtigsten Schrift, La città considerata come principio ideale delle storie italiane, vertritt er – historisch argumentierend – die These, dass die Stadt das natürliche staatliche Gebilde Italiens darstellt.145

Cattaneo verkörpert dadurch im politisch-sozialen Bereich ein ‹anderes›, in gewissem Sinne nicht-nationalistisches Risorgimento.146 Franco della Peruta hat vom «cattaneischen Realismus» gesprochen.147 Trifft dies auf seine politischen Vorstellungen zu? Wohl eher nicht; der Kreis der Unterstützer Cattaneos war sehr beschränkt, außer den vier Mitgliedern des Kriegsrates hatte er kaum wirkliche Anhänger. Auch die Idee eines Volksaufstandes scheint unter den damaligen Bedingungen schwer zu verwirklichen gewesen sein, wenn man die folgenden Worte Correntis liest: «[E] noi dovevamo confessare che in quindici anni non eravamo riusciti ad altro che a propagar nella gioventù studiosa la passione politica ma nel popolo vero, mai.»148

Bei allen militärischen Fehlern Piemont-Sardiniens erscheint es dennoch wahrscheinlich, dass ohne dessen Intervention das österreichische Heer Mailand letztlich zurückerobert hätte; und Wien hätte kaum die Verwandlung seines zentralistisch regierten Königreichs in eine Föderation freier Völker geduldet – man erinnere sich an die zu Beginn von Kapitel 3.1 zitierte Aussage Kaiser Franz’ und an das von polizeilicher Repression und Zensur geprägte politische Klima im vorrevolutionären Mailand. In der Tat trat die Habsburgermonarchie in den 1850er-Jahren dann unter Ferdinand I. in die Phase des Neoabsolutismus ein.

Auch Moos kommt bezüglich der Frage nach dem ‹Realismus› der politischen Weltanschauung Cattaneos zu einem eher ernüchternden Urteil:

No: si può girare intorno alla questione, quanto si vuole, si può tentare di difendersi dalla «fattualità» dei «fatti» finché si vuole, non si può evitare la constatazione che la possibilità di un «altro» Risorgimento probabilmente non è esistita.149

  1. Ich möchte den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren der Civiche Raccolte Storiche im Palazzo Moriggia in Mailand für die freundlichen Auskünfte und Bereitstellungen zahlreicher Bücher während meines Mailand-Aufenthalts im Sommer 2016 danken.
  2. Cattaneo, Carlo: «Programma del ‹Cisalpino›», in: Ders.: Scritti politici, hrsg. v. Mario Boneschi, Bd. 2, Firenze: Le Monnier 1965, S. 407–412, hier S. 407 f. «Das, was vor wenigen Tagen nicht einmal eine Hoffnung war, was ein Traum war, ist heute ein Faktum: Ein glänzendes, weithin verbreitetes und allgemeines Faktum. Ganz Italien, ganz Frankreich, ganz Deutschland, ganz Dänemark, ganz Böhmen haben sich […] in 60 Tagen verwandelt.» Die Übersetzung ins Deutsche stammt hier wie auch im übrigen Text von Pascal Oswald.
  3. Der Begriff erschien erstmals 1818 in Ludwig Börnes Zeitung Die Waage.
  4. Vgl. Candeloro, Giorgio: Storia dell’Italia moderna, Bd. 3: La Rivoluzione nazionale, 1846–1849, Milano: Feltrinelli 1960, S. 163.
  5. Vgl. ebd., S. 122–128; die Kampfhandlungen in Palermo selbst dauerten vom 12. bis 27. Januar und damit länger als in Mailand, auf der ganzen Insel noch bis Anfang Februar. Die sizilianische Revolution war noch weniger als die mailändische vorbereitet worden und hatte noch mehr als diese den Charakter eines Volksaufstandes – die bürgerlichen Schichten entschieden sich erst am dritten Tag, sich an der Erhebung zu beteiligen.
  6. Vgl. etwa Dipper, Christof: «Revolution und Risorgimento», in: Langewiesche, Dieter (Hrsg.): Die Revolutionen von 1848 in der europäischen Geschichte. Ergebnisse und Nachwirkungen. Beiträge des Symposions in der Paulskirche vom 21. bis 23. Juni 1998, München: Oldenbourg 2000 (= Historische Zeitschrift, Beihefte, Neue Folge, Bd. 29), S. 73–89, hier S. 78.
  7. Moos, Carlo: «Carlo Cattaneo – ein grosser Unbekannter», in: Neue Zürcher Zeitung, 15.6.2001, https://www.nzz.ch/article7GBGF-1.509242.
  8. Das kann man wohl auch in Bezug auf die Art sagen, wie die separatistische Lega Nord seit einiger Zeit den Namen Cattaneos für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert. Unter völliger Verkennung der historischen Realität behaupten die Lega-Aktivisten, schon Cattaneo habe ein freies ‹Padanien› gefordert. Vgl. etwa Moos, Carlo: «Die ‹guten Italiener› und die Zeitgeschichte. Zum Problem der Vergangenheitsbewältigung in Italien», in: Historische Zeitschrift 259 (1994), S. 671–694, hier S. 673; Schönau, Birgit: «Was hält Italien noch zusammen?», in: Die Zeit, 24.2.2011, https://www.zeit.de/2011/09/Italien-Jahrestag-Einigung; Fechner, Fabian: «Carlo Cattaneo (1801–1869)», in: Böttcher, Winfried (Hrsg.): Klassiker des europäischen Denkens. Friedens- und Europavorstellungen aus 700 Jahren Kulturgeschichte, Baden-Baden: Nomos 2014, S. 323–329, hier S. 327.
  9. Wenn auch Franco della Peruta Cattaneo als «una delle personalità culturali e politiche centrali dell’Ottocento italiano», der «occupa un posto di primo piano nel quadro del nostro Risorgimento nazionale», bezeichnet, schließe ich mich hier Romano Bracalini an, wenn dieser meint, er könne weder mit Garibaldi noch Mazzini oder Cavour hinsichtlich seiner realpolitischen Bedeutung auf eine Stufe gestellt werden und sei daher nicht in die Galerie der «Väter des Vaterlandes» aufgenommen worden. Vgl. Della Peruta, Franco: «1848–1851: l’impegno politico», in: Ders. / Lacaita, Carlo G. / Mazzoca, Fernando (Hrsg.): I volti di Carlo Cattaneo, 1801-1869. Un grande italiano del Risorgimento, Milano: Skira 2001, S. 97–105, hier S. 97; Bracalini, Romano: Cattaneo. Un federalista per gli italiani, Milano: Mondadori 1995, S. 3. Vgl. im Übrigen auch Gernert, Angelica: Liberalismus als Handlungskonzept. Studien zur Rolle der politischen Presse im italienischen Risorgimento vor 1848, Stuttgart: Steiner 1993, S. 63: «die am wenigsten populäre und auch am schwersten zugängliche Figur des Risorgimento».
  10. Andere Standbilder werden in der einschlägigen Publikation Agliatis zur Geschichte des künstlerischen Porträts Cattaneos nicht erwähnt; die Vermutung, dass das mailändische das einzige auf der ganzen Halbinsel ist, ist somit naheliegend. Vgl. Agliati, Carlo: Il ritratto carpito di Carlo Cattaneo. Percorsi possibili nella rappresentazione iconografica di un mito repubblicano, Bellinzona: Casagrande 2002. Für den Hinweis auf diese Publikation danke ich Frau dott.ssa Mariachiara Fugazza.
  11. Vgl. Ridolfi, Maurizio: «Mazzini», in: Isnenghi, Mario (Hrsg.): I luoghi della memoria, personaggi e date dell’Italia unita, Roma-Bari: Laterza 1997, S. 3–23, hier S. 5 f.; Levra, Umberto: «Vittorio Emanuele II», in: ebd., S. 47–64, hier S. 62 f.; Isnenghi, Mario: «Garibaldi», in: ebd., S. 25–45, hier S. 32 f. Vgl. auch Agliati: Ritratto (wie Anm. 10), S. 73.
  12. Vgl. etwa die Fondazione Istituto Cattaneo in Mailand (https://www.cattaneo.org/) [letzter Zugriff: 02.06.2020]) sowie den Liceo Scientifico Statale Carlo Cattaneo in Turin (https://www.liceocattaneotorino.it/) [letzter Zugriff: 02.06.2020]) oder den Istituto Italiano della Saldatura Carlo Cattaneo in Mailand (https://www.iiscattaneomilano.edu.it/) [letzter Zugriff: 02.06.2020]).
  13. Bereits 1877 schrieb die britische Journalistin Jessie-White Mario, die wiederholt als Krankenschwester an den garibaldinischen Feldzügen teilnahm: «[M]entre le opere di John Stuart-Mill, tradotte in ogni lingua, vanno per le mani di tutti, gli scritti del più grande economista politico e filosofo d’Italia che morì nel 1869, sono famigliari soltanto a una cerchia assai limitata di studiosi, nel suo stesso paese, ed affatto ignorati all’estero.» (Mario, Jessie White: Carlo Cattaneo. Cenni, Cremona: Tipografia Bonzi e Signori 1877, S. 3) Vgl. auch Haddock, Bruce: «Civilization and Self-Government: Review zu Sabetti, Filippo: The Political Thought of Carlo Cattaneo», in: Perspectives on Politics 10/2012, S. 492 f., hier S. 492: «Risorgimento specialists are aware of his contribution, and often lament the fact that his work is not better known.»
  14. Armani, Giuseppe: Carlo Cattaneo. Il padre del federalismo italiano, Milano: Garzanti 1997.
  15. Das bedeutet jedoch nicht, dass Cattaneo ein zusammenhängendes, durchkomponiertes schriftstellerisches Werk hinterlassen hätte. Vielmehr handelt es sich bei den meisten Schriften um Aufsätze, die in Zeitschriften oder Zeitungen erschienen. Standardmäßig zur Zitation herangezogen wird heute die vom Comitato italo-svizzero per la pubblicazione delle opere di Carlo Cattaneo herausgegebene Edizione nazionale delle opere di Carlo Cattaneo, Firenze: Le Monnier 1948–2005. Die für die vorliegende Arbeit wichtige Insurrezione im Teil der Scritti storici e geografici wurde dabei jedoch stellenweise nicht korrekt ediert, wie einer der Herausgeber selbst später anmerkte (vgl. Sestan, Ernesto: «Cattaneo, Carlo», in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 22, Roma: Istituto della Enciclopedia Italiana 1979, S. 422–439, hier S. 438), weshalb die vorliegende Arbeit in diesem Fall einer anderen Ausgabe folgt (siehe unten Anm. 27).
  16. Vgl. auch Thom, Martin: «Europa, libertà e nazioni. Cattaneo e Mazzini nel Risorgimento», in: Banti, Alberto Mario / Ginsbourg, Paul (Hrsg.): Il Risorgimento, Torino: Einaudi 2007 (= Storia d’Italia, Bd. 22), S. 331–378, hier S. 332; Fechner: «Cattaneo» (wie Anm. 8), S. 325.
  17. Brief an Francesco Restelli, Lugano, 17.02.1849, abgedruckt in: Carteggi di Carlo Cattaneo, Serie 1, Lettere di Cattaneo, hrsg. v. Petroboni, Margherita Cancarini / Fugazza, Mariachiara, Bd. 2: 16 marzo 1848–1851, Firenze: Le Monnier 2005, S. 102–105, hier S. 103. «[U]nd von Natur aus meide ich jede allzu ansehnliche Position, in der Kompromisse unvermeidbar sind. Ausgenommen davon sind die Momente absoluter Notwendigkeit, wie es die fünf Tage im März waren. Ich kann mich für die [republikanisch-föderalistische] Sache nützlich erweisen, wenn man mich in einer stillen Ecke und nach meinem Gutdünken arbeiten lässt.»
  18. Vgl. Caddeo, Rinaldo (Hrsg.): Epistolario di Carlo Cattaneo, Bd. 3, Firenze: Barberà 1953, S. 388–428.
  19. Vgl. Sestan: «Cattaneo» (wie Anm. 15), S. 433 f.
  20. Vgl. Bobbio, Norberto: Una filosofia militante. Studi su Carlo Cattaneo, Torino: Einaudi 1971.
  21. Nur beispielhaft seien hier genannt: Cattaneo, Carlo: «Di un nuovo progetto di canale nell’Alto Milanese» (1858), in: Ders.: Scritti storici e geografici (wie Anm. 15), Bd. 2, 1957, S. 268–289; Ders.: «Sull’importanza internazionale della ferrovia pel Gottardo» (1863), in: ebd., Bd. 1, S. 262–268.
  22. Vgl. dazu auch Demandt, Alexander: Ungeschehene Geschichte, Ein Traktat über die Frage: Was wäre geschehen, wenn…?, Göttingen: Vadenhoeck&Ruprecht 2011 (1984); Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat, München: C.H. Beck, 5. Aufl. 2012, S. 663: «[H]ätte alles nicht anders laufen können, wenn nun diese und jene anders gehandelt hätten? Und obwohl wir wissen, daß wir eine Geschichte im Konjunktiv oder Optativ nicht schreiben können, behalten solche Fragen ihren Stachel.»
  23. Vgl. Sestan: «Cattaneo» (wie Anm. 15), S. 429.
  24. Vgl. den Brief Cattaneos an seine Frau Anna Woodcock, Paris, 27.08.1848, in: Lettere di Cattaneo, Bd. 2, hrsg. v. Petroboni / Fugazza (wie Anm. 17), S. 71–73, hier S. 71, sowie Cattaneos Brief an Mauro Macchi, Lugano, 18.11.1848, in: ebd., S. 93–95, hier S. 94.
  25. Vgl. ebd., S. 94. Vgl. auch Sestan: «Cattaneo» (wie Anm. 15), S. 430.
  26. Vgl. ebd.
  27. Vgl. Cattaneo, Carlo: Dell'insurrezione di Milano e della successiva guerra, in: Ambrosoli, Luigi (Hrsg.): Tutte le opere di Carlo Cattaneo, Bd. 4: Scritti dal 1848 al 1852, Milano: Mondadori 1967, S. 455–715, hier S. 457: «molto aggiunsi, nulla tolsi [Hervorhebung – wie überall im Folgenden, wenn nicht anders angegeben – im Original]». Die von Ambrosoli in Angriff genommene Gesamtausgabe wurde nie fertiggestellt.
  28. Vgl. Ambrosoli, Luigi: «Introduzione», in: Ebd., S. III–CXXXII, hier S. XCIX: «È il ritratto più completa e più drammatico dell’Italia quarantottocentesca …».
  29. Interessant ist, dass offenbar schon Cattaneo die Geschehnisse in Italien von der Wahl Pius’ IX. bis zur Aufgabe der Republik Venedig 1849 als eine historische Einheit begriff. Zur These eines revolutionären Trienniums in Italien vgl. auch Soldani, Simonetta: «Il lungo Quarantotto degli italiani», in: Ambrosoli, Luigi (Hrsg.): Il movimento nazionale e il 1848, Milano: Teti 1986 (= Storia della società italiana, Bd. 15), S. 259–343.
  30. Vgl. Cattaneo, Carlo / Dall’Ongaro, Francesco: «Progetto disegno dell’archivio triennale delle cose d’Italia» (1849), in: Scritti dal 1848 al 1852 (wie Anm. 27), S. 753–757, hier S. 754.
  31. Vgl. Petroboni / Fugazza: «Introduzione», in: Lettere di Cattaneo, Bd. 2 (wie Anm. 17), S. III–XXXII, hier S. XI.
  32. Vgl. Cattaneo / Dall’Ongaro: «Progetto» (wie Anm. 30), S. 756. Hier scheinen sich die Autoren verzählt zu haben, ich komme auf elf statt zwölf Bände in einer Serie und damit insgesamt auf 33 statt 36 Bände. Cattaneo und Dall’Ongaro bemerken jedoch, dass es äußerst schwierig sei, die tatsächliche Zahl der Bände vorauszusagen – es handelt sich also um eine Überschlagsrechnung.
  33. Dazu zählen Berichte und Kommentare aus den damaligen – inländischen wie ausländischen – Zeitungen, Memoiren der Protagonisten der Geschehnisse der Revolution bzw. der sogenannten Prima Guerra d’Indipendenza, Protokolle und Korrespondenzen der provisorischen Regierungen, Dokumente der englischen Regierung, die diese dem Parlament vorlegte, Ausschnitte aus Büchern und Heften sowie ausgewählte Berichten von Parlamentsdiskussionen.
  34. Vgl. Carlo Cattaneo: L’insurrection de Milan e le Considerazioni sul 1848, hrsg. v. Cesare Spellanzon, Torino: Einaudi, 3. Aufl. 1949. Cattaneo selbst hatte für seine Kommentare bereits die Überschrift «Considerazioni» verwendet.
  35. Mack Smith, Denis (Hrsg.): Il Risorgimento Italiano, Roma-Bari: Laterza 1999, S. XIX («Introduzione»). «Die bestehende Tendenz, sich persönlich zu rechtfertigen und dadurch Illusionen zu schaffen, ist einer der Gründe, weshalb jedes illustrative Dokument, das Erinnerungen darstellt und folglich nicht zeitgleich mit den beschriebenen Geschehnissen entstanden ist, mit Vorsicht zu lesen ist.»
  36. Vgl. Spellanzon, Cesare: «Carlo Cattaneo nel 1848 (Introduzione)», in: Cattaneo, L’insurrection (wie Anm. 34), S. IX–LXXXIX, hier S. LXXVIII: «Molte delle induzioni e delle asserzioni fatte allora dal Cattaneo furono poi suffragate da documenti e da memorie pubblicati in anni posteriori».
  37. Vgl. Zur Polemik gegen Carlo Alberto: Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 465 f., 513; zur Kritik an den moderati ebd., S. 479 (hier zum podestà Casati), 517. Heftige Kritik an Mazzini findet sich hingegen erst im Archivio, wenn sich diese auch bereits in der Insurrezione andeutet. Zur Kritik an Mazzini vgl. auch Moos, Carlo: L’«altro» Risorgimento. L’ultimo Cattaneo tra Italia e Svizzera, Milano: Angeli 1992, S. 62–138. Das Buch von Moos ist nunmehr auch in überarbeiteter Form auf Deutsch erschienen: Moos, Carlo: Das «andere» Risorgimento. Der Mailänder Demokrat Carlo Cattaneo im Schweizer Exil 1848–1869, Münster: Lit 2020. Leider war der Band zum Zeitpunkt der Abfassung des vorliegenden Beitrags über das deutsche Bibliothekssystem noch nicht erhältlich.
  38. Vgl. Thom: «Cattaneo e Mazzini nel Risorgimento» (wie Anm. 16), S. 368.
  39. Während Cattaneo behauptet, die cinque giornate hätten das Leben von 4.000 Soldaten im Heer Radetzkys gefordert (vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 520), beziffert der Bericht des österreichischen Militär Hilleprandt die Zahl der Verluste auf 5 gefallene Offiziere und 176 gefallene Soldaten, 11 verletzte Offiziere und 230 verletzte Soldaten sowie 180 Gefangene und Verschollene, insgesamt also 602 – das sind absolut 3398 weniger, relativ fast 85 %. Vgl. Hilleprandt, Anton Edler von: Der Feldzug in Ober-Italien im Jahre 1848, Wien: Carl Gerold's Sohn 1867. Vgl. auch Luzio, Alessandro: Le cinque giornate di Milano nelle narrazioni di fonte austriaca, Roma: Società editrice Dante Alighieri 1899, S. XII («Introduzione»).
  40. Vgl. Ambrosoli, Luigi: «Introduzione», in: Ders. (Hrsg.): La insurrezione milanese del marzo 1848. Memorie di Cesare Correnti, Pietro Maestri, Anselmo Guerrieri Gonzaga, Carlo Clerici, Agostini Bertani, Antonio Fossati, Milano-Napoli: Ricciardi 1969, S. VIII–XXXVI, hier S. XXVI, XIX–XXIII, XXIII–XXV.
  41. Vgl. ebd., S. XXII: «Egli non riconobbe mai l’esistenza di ‹comitati›, cioè di un’organizzazione clandestina funzionante, prima delle Cinque Giornate». Von Correnti ist ein Zeugnis erhalten, in dem dieser seiner Empörung über das diesbezügliche Verhalten Cattaneos zum Ausdruck bringt. In einem Brief vom 17. November 1850 heißt es: «M’accorgo anch’io che fui troppo generoso con Cattaneo. … Catteneo mutilò il mio scritto: e quello scritto non è più mio […] Cattaneo non falsificò una parola, no. Ma omise tutti i giudizi farevoli, lasciò i giudizi acerbi, diede loro maggior peso con un abile sistema di sottolineazione. Poi io nella mia lettera non mi proposi altro che di far sentire a Cattaneo: perché la giovane democrazia dovette ceder la direzione del moto e della rivoluzione ai patrizi». Zit. n. Ottoloni, Angelo: «Una memoria di Cesare Correnti sul ‘48 mutilata da Cattaneo», in: Gasparini, Luisa u. a. (Hrsg.): Studi sul Risorgimento in Lombardia, Modena: Societa tipografica modenese 1949, S. 93–95, hier S. 94 f.
  42. Vgl. Ambrosoli: «Introduzione» (wie Anm. 40), S. XXII.
  43. Vgl. Mazzalis Bemerkung zur Insurrezione in Cattaneo, Carlo: Scritti su Milano e la Lombardia. Introduzione e note di Ettore Mazzali, Milano: Rizzoli 1990, S. 497–500, hier S. 497. Vgl. außerdem den Brief Cattaneos an seine Frau Anna Woodcock (wie Anm. 24) und den Brief an Mauro Macchi (wie Anm. 24).
  44. Salvemini, Gaetano: «Carlo Cattaneo», in: Cattaneo, Carlo: Le più belle pagine di Carlo Cattaneo scelte da Gaetano Salvemini. Postfazione di Luciano Cafagna, Roma: Donzelli 1993, S. I–XXXI, hier S. XIV f. «Und gewiss liefe ein Historiker, der sich, um die Ereignisse von ‘48 zu begreifen, allein Cattaneo anvertraute, Gefahr, in mehr als einer Ansicht vom rechten Weg abgebracht zu werden durch eine sehr scharfe Polemik, die in jedem klügeren Missgriff Carlo Albertos und der moderati eine beabsichtigte Bösartigkeit sieht. Aber wenn die Geschichte des Risorgimento nicht mehr die Hagiographie der Sieger sein wird und sie die edlen Wahrheiten in der zornigen Polemik und die geschickt in den in ruhigem Ton gehaltenen Seiten konstruierte Lüge aufzudecken weiß, also dann werden die Insurrezione und der Archivio, befreit von den Urteilen allzu großer Zuneigung, Grundstein einer jeden ernsthaften Arbeit über die politischen Aspekte der mailändischen Revolution und des antiösterreichischen Kriegs von 1848 sein.»
  45. Vgl. Thom: «Cattaneo e Mazzini nel Risorgimento» (wie Anm. 16), S. 370.
  46. Vgl. ebd.
  47. Siehe oben Anm. 40.
  48. Correnti, Cesare: L’Austria e la Lombardia, Italia 1847.
  49. Vgl. Ambrosoli, Luigi: «Correnti, Cesare», in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 29, Roma: Istituto della Enciclopedia Italiana 1983, S. 476–480, hier S. 477.
  50. Vgl. Correnti: L’Austria e la Lombardia (wie Anm. 48) S. VII f.: «Chi scrisse queste pagine ha esitato molto lungo, come esitò il nostro popolo, a pronunciare questa sentenza: che il governo austriaco in ogni circostanza ci è nemico per natura, nemico per elezione, nemico per necessità.»
  51. Vgl. dazu Luzio: Cinque giornate (wie Anm. 39). Luzio hat mit dieser Zusammenstellung hervorragende Arbeit geleistet; Radetzkys Bericht war zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch nicht vollständig veröffentlicht.
  52. Der vollständige Rapport, dessen Charakter mehr dem eines Tagebuchs gleicht, war lange Zeit weder der Öffentlichkeit noch der Forschung vollständig zugänglich. Der Anfangsteil, der die Schilderung der Ereignisse bis zum dritten Tag der Revolte – also vom 19. bis 21. März – beinhaltet, war den mailändischen Revolutionären in die Hände gefallen und konnte dank Enrico Cernuschi später von Cattaneo im Archivio sowohl in deutscher Sprache, in der Radetzky seinen Bericht ursprünglich abgefasst hatte, als auch in italienischer Übersetzung veröffentlicht werden. Vgl. Ambrosoli (Hrsg.): Tutte le opere (wie Anm. 27), Bd. 5: Cattaneo: Archivio triennale delle cose d'Italia. Dall'avvenimento di Pio IX. all'abbandono di Venezia, 1974, 2 Teile, 3 Bde., Bd. 3, S. 1240–1259). Die österreichischen Archive wurden hingegen erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geöffnet, ins Italienische übersetzte Auszüge erstmals 1929 im Corriere della Sera für ein breiteres Publikum aufbereitet. Vgl. Salata, Francesco: «Le cinque giornate in un diario di Radetzky», in: Corriere della Sera, 21.3.1929; ders.: «Il diario di Radetzky in fuga da Milano. ‹La più terribile decisione della mia vita›», in: Corriere della Sera, 24.3.1929. Unklar ist, wie genau die Nachricht in die Hände der Revolutionäre gelangte: Während Salata behauptet, die Nachricht sei abgefangen worden, schreibt Viezzoli, Radetzky habe den Bericht in der Schublade seiner mailändischen Wohnung vergessen. Vgl. Viezzoli, Giuseppe (Hrsg.): «Le cinque giornate di Milano nel rapporto del maresciallo Radetzky», in: Rassegna storica del Risorgimento 26/1939, S. 987–996, hier S. 987.
  53. Vgl. Woolf, Stuart J.: «La storia politica e sociale», in: Storia d’Italia, Bd. 3: Dal primo Settecento all’Unità, Torino: Einaudi 1973, S. 3–508, hier S. 237; Della Peruta, Franco: Milano nel Risorgimento. Dall'età napoleonica alle cinque giornate, Milano: Comune di Milano 1998, S. 21; Rosen, Edgar R.: «Italien im französischen Zeitalter», in: Bussmann, Walter (Hrsg.): Europa von der Französischen Revolution zu den nationalstaatlichen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, Stuttgart: Klett-Cotta, 2. Aufl. 1998 (= Handbuch der europäischen Geschichte, Bd. 5), S. 778–827, hier S. 826 f.
  54. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 465, 509.
  55. Zit. n. Seidlmeyer, Michael: Geschichte Italiens. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zum ersten Weltkrieg, Stuttgart: Kroener, 2. Aufl. 1989, S. 372.
  56. Vgl. Lill, Rudolf: Geschichte Italiens in der Neuzeit, München: WBG, 4. Aufl. 1988, S. 96.
  57. Vgl. Torelli, Luigi: Pensieri sull’Italia di un anonimo Lombardo, Paris: L. R. Delay 1846, S. 241.
  58. Vgl. etwa die entsprechenden Zeilen in dem von Goffredo Mameli gedichteten «Il canto degli Italiani», der späteren Nationalhymne: «Ah l’Aquila d’Austria // Le penne ha perdute», zit. n. Banti, Alberto Mario: Il Risorgimento italiano, Rom-Bari: Laterza, 7. Aufl. 2011, S. 186. Vgl. auch die Ausführungen bei Seidlmayer: Geschichte Italiens (wie Anm. 55), S. 388–390.
  59. Zit. n. Seidlmayer: Geschichte Italiens (wie Anm. 55), S. 371.
  60. Vgl. Stern, Alfred: «Denkschrift des Grafen Strassoldo, gerichtet an den Fürsten Metternich, über Zustände und Stimmung in der Lombardei 1820», in: Zeitschrift für Social- und Wirthschaftsgeschichte 4/1896, S. 125–135.
  61. Zit. n. Seidlmeyer: Geschichte Italiens (wie Anm. 55), S. 371.
  62. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 461–464.: «Dimenticando che il nome imperiale discende da un’antica autorità cosmopolitica, la quale permetteva ad ogni popolo di vivere nelle costumanze de’ suoi maggiori; e non risparmiando ne’ sudditi suoi quei sensi d’onor nazionale che lo spirito di parte non estingue tutto mai, l’Austria non volle essere altro in Italia che una potenza tedesca. Prese modi aspri e superbi. […] L’affezione avita dei sudditi di Maria Theresa fu dunque immolata a una centralità senza fondamento, a una unità senza nazionalità. L’Italiano, l’Ungaro, il Polacco ebbero a riconoscersi vassalli ai Tedeschi dell’Austria […] Codesta smania di materiale unità è la perdizione dell’Austria. Non poteva essa, per natura delle cose, essere altro che una federazione di regni.»
  63. Vgl. Correnti: L’Austria e la Lombardia (wie Anm. 48), S. 77: «Certamente la parte della monarchia che più sente il danno di questi gravi complicazioni è il Regno Lombardoveneto, il quale avendo un’estensione che non oltrepassa il diciottesimo di tutto l’Impero, ed una popolazione che non giunge alla settima parte della popolazione totale di questo gran corpo politico, sostiene la quarta parte degli aggravi.»
  64. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 69.
  65. Vgl. für einen Überblick zur Carboneria Rath, R. John: «The Carbonari. Their Origins, initation Rites, and Aims», in: The American Historical Review 69/1964, S. 353–370.
  66. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 82.
  67. Vgl. ebd., S. 25.
  68. Vgl. Frabotta, Biancamaria: Carlo Cattaneo, Lugano: Fondazione Ticino Nostro 1969, S. 27.
  69. Ihm wurde vorgeworfen, Pellico nicht der Polizei verraten zu haben.
  70. Vgl. Della Peruta: «L’impegno politico» (wie Anm. 9), S. 97.
  71. Der vollständige Name lautete Politecnico. Repertorio mensile di studj applicati alla prosperità e coltura sociale.
  72. Vgl. Caddeo (Hrsg.): Epistolario di Cattaneo, Bd. 3 (wie Anm. 18), S. 465: «La mia nomina era stata proposta più volte nelle terne dell’Istituto, ma sempre scartata, finché nel 1843, essendo annunciato il Congresso degli scienziati per il ’44, i membri proposero tre terne, in ognuna delle quali io ero compreso e così forzarono la mano al governo.»
  73. Cattaneo, Carlo: «Notizie naturali e civili su la Lombardia» (1844), in: Ders.: Scritti storici e geografici, Bd. 2 (wie Anm. 21), S. 309–433.
  74. Vgl. den Brief Cattaneos an den Minister Carlo Matteucci, Lugano, Juli 1862, in: Caddeo (Hrsg.): Epistolario di Cattaneo, Bd. 3 (wie Anm. 18), S. 63 f., hier S. 63.
  75. Vgl. Della Peruta: «L’impegno politico» (wie Anm. 9), S. 99.
  76. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 700. «Eine Revolution ist ein Fieber und überkommt auf niemandes Befehl ein ganzes Volk. Man muss sie abwarten.»
  77. Brief Henry Dawkins an Palmerstone, Mailand, 3.12.1846, in: Cattaneo: Archivio (wie Anm. 52), Bd. 1, S. 159–163, hier S. 160. «Die Trennung zwischen Österreichern und Mailändern macht sich mehr als bemerkbar.»
  78. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 99.
  79. Vgl. Correnti, Cesare: «Relazione per l’‹Archivio Triennale›», in: Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 1–56, hier S. 45.
  80. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 100.
  81. Vgl. dazu auch Herde, Peter: «Guelfen und Neoguelfen. Zur Geschichte einer nationalen Ideologie vom Mittelalter zum Risorgimento», in: Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 22/1985, Stuttgart: Steiner 1985–86, S. 25–182.
  82. Vgl. Cattaneo: Archivio (wie Anm. 52), Bd. 1, S. 123 f.
  83. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 107–109.
  84. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 471.
  85. Vgl. ebd., S. 477.
  86. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 119.
  87. Vgl. ebd., S. 122.
  88. Vgl. ebd., S. 125.
  89. Vgl. ebd., S. 130.
  90. Zit. n. ebd., S. 132. «Die Mitbürger Franklins entsagten alle dem Tee: Ahmt sie nach, verzichtet ab heute auf Tabak.»
  91. Cattaneo: Archivio (wie Anm. 52), Bd. 1, S. 231–234, hier S. 231. «Die gesamte Bürgerschaft versammelte sich in den Hauptstraßen; und anfangs sah man fast niemanden rauchen. Zu einer späteren Stunde erschienen unterschiedliche Raucher, sowohl Bürger als auch Soldaten; die ersten wurden großteils von der Menge gezwungen, die Zigaretten wegzuwerfen, und viele der letzteren wurden mit Pfiffen und Schreien der Empörung empfangen.»
  92. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 139.
  93. Vgl. Maestri, Pietro: «Origine dell’insurrezione», in: Ambrosoli (Hrsg.): Insurrezione (wie Anm. 40), S. 63–87, hier S. 78.
  94. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 160.
  95. Zu Ferrari vgl. Bruch, Anne: Italien auf dem Weg zum Nationalstaat – Giuseppe Ferraris Vorstellungen einer föderal-demokratischen Ordnung, Hamburg: Reinhold Krämer 2005 (= Beiträge zur deutschen und europäischen Geschichte, Bd. 33).
  96. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 470 f.
  97. Vgl. De Tocqueville, Alexis: Das Ancien Régime und die Revolution, zit. n. Mayer, Jacob P.: Alexis de Tocqueville. Analytiker des Massenzeitalters, München: Beck 1972, S.  85: «Die Regierung, welche durch eine Revolution vernichtet wird, ist fast stets besser als ihre unmittelbare Vorgängerin. Die Erfahrung lehrt, dass der gefährlichste Augenblick für eine schlechte Regierung gewöhnlich derjenige ist, in dem sie sich zu reformieren beginnt.»
  98. Vgl. Cattaneo: Archivio (wie Anm. 52), Bd. 1, S. 687 f., hier S. 688.
  99. Vgl. Pieri, Piero: Storia militare del Risorgimento, Torino: Einaudi 1962, S. 188.
  100. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 484.
  101. Siehe das Eingangszitat dieses Beitrags.
  102. Vgl. Cattaneo: «Cisalpino» (wie Anm. 2), S. 412: «Intanto, consigli concordi e mani armate. Il paese deve essere del paese».
  103. Vgl. ebd., S. 411: «Non si vedono nella Svizzera e nel Belgio diverse lingue esistere senza odio, in una sola provincia, in un sol cantone?»
  104. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 484 f.
  105. Bericht Joseph Radetzkys an Fiquelmon, 21.3.1848, in: Cattaneo: Archivio (wie Anm. 52), Bd. 2, S. 1240–1259, hier S. 1254.
  106. Vgl. Cattaneo: Archivio (wie Anm. 52), Bd. 2, S. 694. Für die Urheberschaft Correntis vgl. Correnti: «Relazione» (wie Anm. 79), S. 55.
  107. Vgl. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 166.
  108. Vgl. ebd., S. 169.
  109. Vgl. ebd., S. 170.
  110. Lovett, Clara Maria: Carlo Cattaneo and the politics of the Risorgimento, 1820–1860, Netherlands: Springer, 1972, S. 37: «reluctant revolutionary».
  111. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 490.
  112. Vgl. ebd., S. 492.
  113. Vgl. etwa die Ermordung Graf Baillet von Latours während der Wiener Oktoberrevolution.
  114. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 493. «Tötet ihr ihn [...], so tut ihr eine gerechte Sache; lasst ihr ihn am Leben, so tut ihr eine heilige Sache.»
  115. Vgl. ebd., S. 493.
  116. Vgl. ebd., S. 490.
  117. Vgl. ebd., S. 495–499.
  118. Vgl. ebd., S. 505 f.
  119. Vgl. Sestan: «Cattaneo» (wie Anm. 15), S. 429.
  120. Vgl. Candeloro: La Rivoluzione nazionale (wie Anm. 4), S. 171.
  121. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 500.
  122. Vgl. ebd., S. 514 f.
  123. Vgl. ebd., S. 507–515, insb. S. 508.
  124. Ebd., S. 509. «Ich glaube kaum, dass wir ganz Italien zu den Waffen rufen müssen und einen Nationalkrieg machen müssen. Wenn dann euer Carlo Alberto der einzige ist, der uns zu Hilfe kommt, wird nur er die Bewunderung und Dankbarkeit der Volksmassen haben; und niemand wird verhindern können, dass das Land ihm gehören wird.»
  125. «Italien schafft es alleine», vgl. den Aufruf Carlo Albertos zum Nationalkrieg, abgedruckt in: Candeloro: La Rivoluzione nazionale (wie Anm. 4), S. 180 f. Der Ausspruch wurde erstmals von Carlo Alberto verwendet, später auch von Mazzini.
  126. Vgl. Soldani, Simonetta: «Annäherung an Europa im Namen der Nation, Die italienische Revolution 1846–1849», in: Dowe, Dieter u. a. (Hrsg.): Europa 1848. Revolution und Reform, Bonn: Diez 1998 (= Politik- und Gesellschaftsgeschichte, Bd. 48), S. 125–165, hier S. 146; Langewiesche, Dieter: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815–1849, München, 5. Aufl. 2007 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 13), S. 91.
  127. Vgl. etwa Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 498, S. 532, S. 572.
  128. Vgl. ebd., S. 513. Carlo Alberto gelangte nach dem Tod Vittorio Emanueles I. auf den Thron Piemont-Sardiniens, da sein älterer Bruder Carlo Felice noch in Modena verweilte. Als der Aufstand ausbrach, erließ Carlo Alberto eine liberale Verfassung. Diese wurde erst von Carlo Felice aufgehoben, der überdies seinen jüngeren Bruder nach der Affäre ins spanische Exil schickte. Auch wenn Carlo Alberto sich immer mehr von den Aufständischen distanzierte, scheint der Vorwurf des Verrats deutlich übertrieben. Vgl. Barbero, Alessandro: Storia del Piemonte. Dalla preistoria alla globalizzazione, Torino: Einaudi 2008, S. 386 f. Vgl. auch Ettore Mazzalis Bemerkung zur Insurrezione in Cattaneo: Scritti (wie Anm. 43), S. 579, Anm. 36.
  129. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 514.
  130. Ebd., S. 514 f. «Diese fast räuberische Art, sich an die Spitze einer Revolution zu setzen, passte zu den anderen Handlungen dieser fatalen Clique, die in vier Monaten auf ungerechten Pfaden ein vertrauensseliges und großzügiges Volk vom Sieg zur Ohnmacht und Verzweiflung führte […] der Kriegsrat lebte nur 48 Stunden.»
  131. Ferrari, Vittorio (Hrsg.): Carteggio Casati-Castagneto (19 marzo–14 ottobre 1848), Milano: Tipo-litografia Ripalta 1909, S. 13. «Verliert keinen Augenblick, denn, wenn ich der Kopf der Regierung bin, so bin ich es einfach, um die Anarchie abzuwehren oder Dinge, die ihr ähneln.»
  132. Vorausgegangen war am 23. März ein Aufruf Carlo Albertos an die lombardo-venetische Bevölkerung, abgedruckt in: Fumagalli, Giuseppe: Chi l’ha detto? tesoro di citazioni italiane e straniere, di origine letteraria e storica, Milano: Hoepli 1921, S. 388 f.
  133. Vgl. Cattaneo: Insurrezione (wie Anm. 27), S. 587.
  134. Vgl. ebd., S. 519.
  135. Vgl. auch Moos: L’«altro» Risorgimento (wie Anm. 37), S. 14.
  136. Siehe das Zitat von Gaetano Salvemini in Kapitel 2.
  137. Moos: L’«altro» Risorgimento (wie Anm. 37), S. 14.
  138. Vgl. ebd., S. 20.
  139. Vgl. dazu die vernichtende Aussage Mazzinis in Bezug auf das 1861 gegründete Königreich Italien: «Avevo creduto di evocare l’anima dell’Italia, ma non mi trovo di fronte che ad un cadavere.» Zit. n. Mack Smith, Denis: Storia d’Italia dal 1861 al 1969, Roma-Bari: Laterza 1972, S. 32.
  140. Vgl. Thom: «Cattaneo e Mazzini nel Risorgimento» (wie Anm. 16), S. 372–378.
  141. Vgl. auch Salvemini, Gaetano: Scritti sul Risorgimento, hrsg. v. Pieri, Piero / Pischedda, Carlo, Milano: Feltrinelli 1961, S. 46.
  142. Bereits Ende Februar 1849 veröffentlichte Cattaneo anonym ein scharfes, gegen Giobertis Programm gerichtetes Pamphlet. Vgl. Cattaneo: «Corredo alla lettera di Gioberti: ‹Della republica e del cristianesimo›», in: Ders.: Scritti politici, Bd. 2 (wie Anm. 2), S. 429–441. Dieses wurde lange Zeit fälschlicherweise Mazzini zugeschrieben. Vgl. Caddeo, Rinaldo: «Attribuito a Mazzini restituito a Cattaneo. Piena luce sul grande scandalo sollevato da un opuscolo pubblicato anonimo nel 1849 contro Gioberti», in: Corriere della Sera, 4.8.1946.
  143. Vgl. Della Peruta: «L’impegno politico» (wie Anm. 9), S. 97.
  144. Vgl. Della Peruta, Franco: Carlo Cattaneo politico, Milano: Angeli 2002, S. 104.
  145. Vgl. Cattaneo, Carlo: «La città considerata come principio ideale delle storie italiane», in: Ders.: Scritti storici e geografici, Bd. 2 (wie Anm. 21), S. 383–437. Vgl. hierzu auch Bruch, Anne: «Munizipale Identität und bürgerliche Kultur im Risorgimento. Die Bedeutung der Stadt für Carlo Cattaneos föderal-demokratische Konzeption», in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 22 (2010), S. 165–179.
  146. Vgl. Moos: L’«altro» Risorgimento (wie Anm. 37), S. 442.
  147. Della Peruta: Milano nel Risorgimento (wie Anm. 53), S. 91.
  148. Zit. n. Ambrosoli: «Introduzione» (wie Anm. 40), S. XXX. «[U]nd wir müssen gestehen, dass uns in fünfzehn Jahren nicht mehr gelungen ist, als der studierenden Jugend die Passion für die Politik zu vermitteln, dem wirklichen Volk aber nie.»
  149. Vgl. Moos: L’«altro» Risorgimento (wie Anm. 37), S. 444. «Nein: Man kann um die Frage herumkreisen so viel man will, man kann so sehr man will versuchen, sich mit der Vielfalt an Möglichkeiten zu verteidigen, man kommt nicht um den Schluss herum, dass die Möglichkeit für ein ‹anderes› Risorgimento wahrscheinlich nicht existierte.»