… feiern wir 10 Jahre Horizonte!
2015 begannen wir recht unbekümmert, aber voller Elan, den Wunsch nach einer Wiederbelebung der Zeitschrift Horizonte zu verwirklichen, die im Jahr 2011 zum letzten Mal in Druck gegangen war und mit der wir alle auf die eine oder andere Weise verbunden gewesen waren. Horizonte – Neue Serie • Nuova serie im online-Format zu entwickeln, konfrontierte uns mit allerlei Herausforderungen. In den vergangenen 10 Jahren war es eine höchst befriedigende Sache, sich diesen zu stellen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und neue Kenntnisse zu erwerben; eine andere und ganz und gar großartige Sache aber war es, tatsächlich ein interessiertes Lesepublikum zu finden und auch das eine oder andere Lob zu erhalten. Horizonte wird weiterhin mit Leidenschaft und Sorgfalt von Menschen, und zwar ausschließlich von Menschen, gemacht werden. Wir glauben nicht an anonyme Bewertungen bei der Auswahl der Beiträge, sondern an den offenen, interessierten Austausch mit Autorinnen und Autoren, die die Leserinnen und Leser und uns an den Ergebnissen ihrer eigenen – und nicht etwa von Maschinen generierten – wissenschaftlichen und kreativen Arbeit teilhaben lassen. Ohne Abhängigkeiten von finanziellen Ressourcen, institutionellen Verbindlichkeiten u. ä. wollen wir das auch in Zukunft so halten.
Allen, die zu den vergangenen 10 Jahren Horizonte beigetragen haben und die wir zur Jubiläumsausgabe eingeladen haben, danken wir für ihre Texte und ihre bereichernde Mitarbeit; unser herzlicher Dank gilt auch Ulrich Schnackenberg für sein enthusiastisches Eingehen auf die Einladung, uns für das Titelbild dieser Ausgabe eines seiner Werke zur Verfügung zu stellen. Ebenso freuen wir uns darüber, dass immer wieder neue Autorinnen und Autoren dazukommen. Ein besonderer Dank gilt Franca Janowski und Franziska Meier für ihre Gedanken zum Jubiläum: Franca Janowski war, zusammen mit Georg Maag, Begründerin und langjährige Herausgeberin der gedruckten Ausgabe von Horizonte. Ihre Überlegungen im Grußwort auf der Suche nach dem, was eine Zeitschrift ausmacht, die zwei Sprachen und Kulturen in Kontakt und Austausch miteinander bringt, verstehen wir nicht nur als Kompliment, sondern auch als Auftrag: Horizonte – Neue Serie • Nuova serie ist eine Einladung, in eine intensive, die individuellen Horizonte erweiternde und verschiebende Beziehung zur italienischen Kultur einzutreten, eine, die Leserinnen und Leser «coinvolga in una scrittura viva e critica, ricercare con le parole e nelle parole una propria spesso confusa e incerta identità, metterla a nudo attraverso la riflessione, il confronto, la sorpresa, a volte anche la delusione e lo sgomento». Franziska Meier grüßt Horizonte mit dem Blick auf eine Zeit, in der sich im Italien des Humanismus «mit dem Nachdenken über und Praktizieren von amicitia, Freundschaft, als eines probaten Mittels, um in einer Gemeinschaft Zusammenhalt zu stiften» eine Basis für zivilgesellschaftliche Institutionen entwickelte. Dankend und gerne nehmen wir auch hier einen Auftrag an, nämlich die «gemeinschaftsstiftende Wirkung» einer in Form von Horizonte gelebten Freundschaft zu entfalten.
Die Artikel in dieser Ausgabe führen vom Mittelalter über die Zeit des Illuminismo in Italien und italienische Spuren im Russland des 19. Jahrhunderts bis in die Moderne und die unmittelbare Gegenwart: Angela Oster lenkt unser Interesse auf mittelalterliche Skriptorien, in denen Frauen eine eigene poetische Rede entwickeln, mit der sie sich und ihrem Publikum Blicke auf «klare und strahlende» Tage zu eröffnen suchen. Im Artikel von Martina Romanelli begegnen unsere Leserinnen und Leser Angelo Maria Ricci als einem Repräsentanten des gelehrten Florenz im 18. Jahrhundert innerhalb der damals aktuellen Diskurse um Wert und Methode der Rezeption altgriechischer Texte und Theorie und Praxis ihrer Übersetzung. Dem Thema von politischer und persönlicher Moral, dem gerade in unserer Zeit wieder so außerordentliche Bedeutung zukommt, nähert sich Sascha Resch, der eine philologische und historisch-kritische Analyse unter – in der deutschsprachigen Italianistik rarer – Beachtung russischsprachiger Quellen vorlegt: Er geht einem möglichen Niederschlag von Machiavellis Gedankengut im Werk von Dostojewski nach und findet dabei eher Indizien für eine Auseinandersetzung Dostojewskis mit dem russischen Nihilismus, der wie verschiedene revolutionäre Strömungen des 19. Jahrhunderts Machiavelli rezipiert hatte. Pietro Mazzarisi macht uns mit Daniele Del Giudice, einem bedeutenden Vertreter der italienischen Moderne, und seinem Schreiben näher vertraut; ein Schreiben, das die Sprache der Technik auf eine Art in die poetische Gestaltung des literarischen Textes einbezieht, dass deren Dimensionen, insbesondere die der Luftfahrt, jener Metapher der Moderne schlechthin, von Leserinnen und Lesern neu und intensiv erfahren werden. Patrizia Farinelli nimmt den Faden von Miona Dinić aus der letzten Ausgabe auf und untersucht in ihrem Beitrag den neuesten Roman von Michele Mari. Sie zeigt die literarischen und filmischen Bezüge auf, erläutert sprachliche Besonderheiten sowie zentrale Motive und verweist auf Zusammenhänge mit früheren Werken des Autors. In die unmittelbare Gegenwart nimmt uns Ilva Fabiani mit: Sie stellt den in diesem Jahr mit dem renommierten Premio Strega ausgezeichneten Roman L’anniversario von Andrea Bajani vor und präsentiert Überlegungen zur Aufhebung der Zeit in seinem Text. In einem Essay schließlich reflektiert Cesare De Marchi das ’68 in Italia.
Ein erschütterndes Dokument vollkommen korrumpierter Moral einer ganzen Gesellschaft und der Mehrheit ihrer Individuen durch staatliche Ideologie zeigt sich uns in Elisabeth Claasens Ich, die Steri: Ilva Fabiani hat einen Auszug daraus ins Italienische übersetzt und führt uns in ihrem Beitrag «Ma i pazzi sono in grado di amare?» .../«Konnten Irre denn lieben?»… höchst kenntnisreich in den Kontext ein. Neben der Scham über das Versagen in der Vergangenheit erkennen wir bei der Lektüre auch überaus aktuelle Warnzeichen für unsere Gegenwart. Dafne Graziano nähert sich der facettenreichen Lyrik von Jonas Linnebank durch die Übersetzung und Analyse ausgewählter Gedichte. Eine weitere lyrische Stimme erklingt in bislang unveröffentlichten Gedichten von Domenico Gilio. Sechs von Barbara Neeb, Katharina Schmidt und Birgit Ulmer erstmals ins Deutsche übersetzte Racconti bonsai von Germana Fabiano komplettieren mit ihren überraschenden Wendungen das abwechslungsreiche Bild der literarischen Stimmen.
Und nicht nur diese bieten somit eine enorme Vielfalt, sondern wie gewohnt ist auch die Bandbreite in der Rubrik der Rezensionen groß: Sie reicht vom klassischen Tagungsband über literarische Neuerscheinungen (im Original sowie im Übersetzungsvergleich) und einem Band zur Geschichte der Resistenza bis hin zu einem Comic mit eigener Tonspur auf CD.
In eigener Sache: Mit der zehnten Ausgabe verabschieden wir uns von Florian Rieder, der Horizonte von Beginn an ehrenamtlich begleitet hat. Er entwickelte das erste Design für Horizonte ebenso wie 2023 das erneuerte Gesicht unserer Zeitschrift; dazu war er in den vergangenen Jahren für alle technischen Belange verantwortlich, die die Fertigkeiten von uns Geisteswissenschaftlerinnen überstiegen. Wir haben viel von ihm gelernt und vor allem seine Ansprüche an klare, qualitätsvolle Gestaltung geschätzt, die Horizonte auszeichnet und unser Lesepublikum erfreut. Danke Florian und viel Erfolg weiterhin!
Nun wünschen wir, wie immer, eine anregende und gute Lektüre und freuen uns auf ein Wiederlesen auch im kommenden Jahr!
☙
In questa edizione …
… festeggiamo i dieci anni di Horizonte!
Nel 2015 abbiamo iniziato con grande entusiasmo, ma anche con una certa leggerezza, a concretizzare il desiderio di rilanciare la rivista Horizonte, stampata per l’ultima volta nel 2011 e alla quale tutte noi, in un modo o nell’altro, eravamo legate. Certo, creare Horizonte – Neue Serie • Nuova serie in formato online ci ha messo di fronte a sfide di ogni tipo. Negli ultimi dieci anni è stato molto gratificante affrontarle, sviluppare insieme soluzioni e acquisire nuove conoscenze; ma è stato anche fantastico trovare un pubblico interessato e ricevere complimenti per il nostro lavoro. Horizonte continuerà a essere realizzato con passione e cura da persone, e solo da persone. Quando selezioniamo i contributi non crediamo nelle valutazioni anonime, ma nello scambio aperto e interessato con autori e autrici che condividono con i lettori e con noi i risultati del proprio lavoro scientifico e creativo, un lavoro che è frutto delle loro menti e non è generato da macchine. Non dipendiamo da alcun ente finanziatore e non siamo legate da vincoli istituzionali o simili: anche in futuro vogliamo continuare su questa strada.
A tutti coloro che hanno contribuito agli ultimi dieci anni di Horizonte, e a quelli che abbiamo invitato a partecipare al numero speciale dell’anniversario, vanno i nostri ringraziamenti per la preziosa collaborazione. Un ringraziamento caloroso va anche ad Ulrich Schnackenberg per aver aderito con entusiasmo alla nostra richiesta, mettendo a disposizione, per la copertina di questa edizione, una delle sue opere. Siamo inoltre lieti che ad essi se ne siano aggiunti di nuovi. Un ringraziamento speciale va a Franca Janowski e Franziska Meier per le loro riflessioni sull’anniversario: Franca Janowski è stata, insieme a Georg Maag, fondatrice, e per molti anni, editrice dell’edizione cartacea di Horizonte. Le sue riflessioni sulla ricerca di ciò che caratterizza una rivista che mette in contatto e favorisce lo scambio tra due lingue e culture diverse, non le intendiamo solo come un complimento, ma anche come un compito: Horizonte – Nuova serie • Nuova serie è un invito a rapportarsi intensamente con la cultura italiana, in uno scambio che possa ampliare e spostare gli orizzonti individuali, un rapporto che possa coinvolgere il pubblico «in una scrittura viva e critica, [nel] ricercare con le parole e nelle parole una propria identità spesso confusa e incerta, metterla a nudo attraverso la riflessione, il confronto, la sorpresa, a volte anche la delusione e lo sgomento». Franziska Meier saluta Horizonte con lo sguardo rivolto a un’epoca in cui, nell’Italia dell’Umanesimo, «la riflessione e la pratica dell’amicizia, intesa come mezzo efficace per creare coesione in una comunità», ha gettato le basi per lo sviluppo delle istituzioni della società civile. Con gratitudine e piacere accettiamo anche qui un compito, quello di potenziare l’effetto di fondare una comunità, di sviluppare un’amicizia che vive nelle modalità della nostra rivista.
Gli articoli di questo numero conducono dal Medioevo all’Illuminismo in Italia, alle tracce italiane nella Russia del XIX secolo, fino all’età moderna e alla contemporaneità: Angela Oster richiama la nostra attenzione agli scriptoria medievali, dove le donne hanno sviluppato un linguaggio poetico proprio, con cui hanno cercato di aprire a se stesse e al loro pubblico la visione di giorni «chiari e luminosi». Nell’articolo di Martina Romanelli, i nostri lettori incontrano Angelo Maria Ricci, rappresentante della Firenze colta del Settecento, nell’ambito dei dibattiti dell’epoca sul valore e il metodo di ricezione dei testi greci antichi e sulla teoria e la prassi della loro traduzione. Il tema della morale politica e personale, che proprio nel nostro tempo riveste di nuovo un’importanza straordinaria, viene affrontato da Sascha Resch. La sua analisi filologica e storico-critica che tiene conto delle fonti in lingua russa (cosa rara nell’italianistica di lingua tedesca) ci conduce a riflettere su un possibile riflesso del pensiero di Machiavelli nell’opera di Dostoevskij e riesce a rintracciare indizi sul rapporto fra Dostoevskij e il nichilismo russo, che, come altre correnti rivoluzionarie dell’Ottocento, aveva recepito Machiavelli. Pietro Mazzarisi ci fa conoscere meglio Daniele Del Giudice, importante esponente della modernità italiana, e la sua scrittura, che integra il linguaggio della tecnica nel testo letterario in modo tale che le sue dimensioni, in particolare quella dell’aviazione (metafora per eccellenza della modernità) vengano sentite dai lettori in modo nuovo e intenso. Patrizia Farinelli riprende il filo conduttore di Miona Dinić dall’ultimo numero e nel suo contributo analizza l’ultimo romanzo di Michele Mari, evidenziandone i riferimenti letterari e cinematografici, illustrando le peculiarità linguistiche e i motivi centrali, scoprendone i rimandi con le opere precedenti dell’autore. Ilva Fabiani ci riporta nel presente, presentando il romanzo L’anniversario di Andrea Bajani, vincitore quest’anno del prestigioso Premio Strega, e riflettendo sull’azzeramento del tempo operato dallo scrittore. Infine, in un saggio, Cesare De Marchi riflette sul Sessantotto in Italia.
Un documento sconvolgente della corruzione morale di un’intera società e della maggior parte dei suoi individui ad opera dell’ideologia di stato ci viene presentato da Elisabeth Claasen in Ich, die Steri: Ilva Fabiani ne ha tradotto un estratto in italiano e lo ha approfonditamente contestualizzato nel suo contributo «Ma i pazzi sono in grado di amare?» .../«Konnten Irre denn lieben?» ... Oltre a provare vergogna per i fallimenti del passato, leggendolo riconosciamo anche segnali di allarme estremamente attuali per il nostro presente. Dafne Graziano si avvicina alla multiforme poesia di Jonas Linnebank attraverso la traduzione e l’analisi di una scelta di poesie. Un’altra voce poetica risuona nelle poesie inedite di Domenico Gilio. Sei racconti bonsai di Germana Fabiano, tradotti per la prima volta in tedesco da Barbara Neeb, Katharina Schmidt e Birgit Ulmer, completano con i loro colpi di scena sorprendenti il variegato panorama delle voci letterarie.
Non solo questi articoli offrono quindi un’enorme varietà, ma come di consueto anche la sezione delle recensioni è molto ampia: spazia dai classici atti di convegni alle nuove pubblicazioni letterarie (in originale e nel confronto con la traduzione); da un volume sulla storia della Resistenza a un fumetto con colonna sonora su CD.
E ora una piccola nota personale: con il decimo numero salutiamo Florian Rieder, che come volontario ha accompagnato Horizonte fin dall’inizio. È stato lui a creare il primo design di Horizonte e nel 2023 ha rinnovato il layout della nostra rivista; inoltre, negli ultimi anni è stato responsabile per tutte quelle questioni tecniche che noi studiose di scienze umane non potevamo affrontare. Abbiamo imparato molto da lui e abbiamo apprezzato soprattutto la sua attenzione per un design chiaro e di alta qualità, tipico di Horizonte e gradito al nostro pubblico. Grazie, Florian, e in bocca al lupo per i tuoi progetti futuri!
Come sempre, vi auguriamo una lettura piacevole e stimolante. Non vediamo l’ora di incontrarvi anche il prossimo anno!