I. Was wir bisher wissen
Fëdor M. Dostoevskijs1 Texten lässt sich assoziativ oftmals eine gewisse ‹Dunkelheit› zuschreiben. Auch ‹Drastik› und ‹Pessimismus› können in diese Assoziationskette eingereiht werden. Von diesen Eindrücken ist es nicht mehr weit, eine Brücke zu Niccolò Machiavelli zu schlagen. Immerhin haftet dem Segretario fiorentino seit jeher eine ‹dunkle› Aura an, die gelegentlich sogar ins ‹Dämonische› driftet.2
Eine der bekanntesten Erwähnungen, die eine (‹geistige›) Verbindung oder Nähe von Machiavelli und Dostoevskij herstellt, ist diejenige Prezzolinis im Kontext einer Besprechung der Bedeutung Machiavellis in Russland allgemein: «L’unico che mostri di capir lo spirito di Machiavelli è Dostoievschi, ma probabilmente ne conosceva forse il nome che non cita mai, e nulla ne seppe, nemmeno attraverso le opere di De Maistre».3 In der Folge erschienen immer wieder Bemerkungen zu Machiavelli und Dostoevskij, die jedoch die (mögliche) Verbindung der beiden Autoren kaum tiefergehend beleuchten. So widerspricht Malarczyk dem eben erwähnten Prezzolini in einer Fußnote seines Aufsatzes «Dottrina politica del Machiavelli in Russia e nella storiografia russa e sovietica»4 und stellt in Bezug auf die Bedeutung Machiavellis für Dostoevskij kurzerhand fest: «Ohne gegen die Behauptung von G. Prezzolini zu polemisieren, halten wir seine Meinung für unbegründet. [Не вдаваясь в полемику с утверждением Г. Преццолини, мы считаем его мнение необоснованным.]».5 Skeptisch hinsichtlich einer Verbindung zwischen Machiavelli und Dostoevskij äußerte sich später auch Macek, ebenfalls mit Bezug auf Prezzolini.6
Kurze Zeit später widmete sich Rejfman dem Thema mit seinem Aufsatz «Zwei Erwähnungen Machiavellis (Dostoevskij und Černyševskij) [Два упоминания о Макиавелли (Достоевский и Чернышевский)]», wobei es Rejfman um die einzige wörtliche Erwähnung des Namens Machiavelli im Werk Dostoevskijs geht. Diese findet sich im Roman Das Gut Stepantschikovo und seine Bewohner [Село Степанчиково и его обитатели]. Dort erwähnt die Figur des früheren Beamten und jetzigen Schriftstellers Foma Fomič Opiskin, der sich nicht genügend wertgeschätzt fühlt, im Kontext einer pathetisch moralisierenden Rede den Namen des Segretario fiorentino zusammen mit «ein[em] Mercadante [какой-нибудь Меркаданте]»:7 «Und doch hat vielleicht ein Machiavelli in eigener Person oder ein Mercadante vor ihm gesessen, dessen einziger Fehler es ist, arm und unbekannt zu sein… [А тут, может быть, сам Макиавель или какой-нибудь Меркаданте перед ними сидел, и только тем виноват, что беден и находится в неизвестности…]».8 Neben der Selbstdarstellung Opiskins, der durch die Nennung zahlreicher bekannter Namen seine Bildung zur Schau stellen kann, schlägt Rejfman zusätzlich vor, dass die Erwähnung Machiavellis im konkreten Fall auch komisches Potenzial haben könnte, da sie inmitten einer Behandlung «moralisierender» Fragen fällt.9
Neben weiteren kleineren Erwähnungen Dostoevskijs und Machiavellis, u. a. in Berlins Essay «On the Originality of Machiavelli»10 oder in Chakravartys «Introduction» zum Sammelband Machiavelli Then and Now11 sind v. a. drei vergleichsweise rezente Arbeiten aufschlussreich. Jusims Arbeit La fortuna di Machiavelli in Russia [Макиавелли в России]12 geht der Rezeption des Segretario fiorentino in Russland nach und kommt dabei auch auf Dostoevskij zu sprechen. Zwar macht er eine grundsätzliche Nähe der beiden Denker aus:
Nello stesso tempo vediamo che Dostoevskij, il quale sembra dover essere pienamente estraneo agli ingranaggi politici di questo mondo, in qualche modo si avvicina spiritualmente con i pensieri profondi del genio italiano. [В то же время мы видим, что Достоевский, который должен быть как будто бы совершенно враждебен политическим хитросплетениям мира сего, в чём-то духовно сближается с глубокими мыслями итальянского гения.]13
Doch differenziert er und wirft die Möglichkeit auf, dass Dostoevskij sich nicht notwendigerweise auf Machiavelli beziehen muss. Diese Option stellt Jusim auf, als er eine Erwähnung des Principe in der russischen Gesamtausgabe der Werke Dostoevskijs bespricht. Dort wird eine Stelle des Tagebuchs Dostoevskijs kommentiert, die eine Trennung von persönlicher und staatlicher Moral beschreibt – wobei Handlungen, die einen Einzelnen betreffen, anders beurteilt werden, als Handlungen, die einen ganzen Staat betreffen – und diese Theorie als «verbreitet» und «alt» bezeichnet, ihr aber gleichzeitig Verdammnis wünscht: «Diese Lehre ist sehr verbreitet und alt, aber soll auch sie verflucht sein! [Это учение очень распространено и давнишнее, но – да будет и оно проклято!]».14 Während die Kommentatoren der russischen Gesamtausgabe hier eine Nähe zu Machiavellis Principe sehen,15 ist Jusim zu recht kritisch. Einerseits ist er skeptisch, ob das, was Dostoevskij in seinem Tagebuch schreibt, wirklich so bei Machiavelli zu finden ist. Außerdem weist er darauf hin, dass Dostoevskij bei der Abfassung überhaupt nicht an Machiavelli gedacht haben könnte.16 Dennoch bleibt Jusim letztlich dabei, dass Dostoevskij durchaus eine wie auch immer geartete Nähe zum Segretario fiorentino aufweist. Dies macht er durch einem Vergleich zu Tolstoj deutlich:
Sotto questo aspetto [della criminosità del potere statale] Tolstoj e più vicino a Bakunin e più lontano da Machiavelli che non Dostoevskij il quale non era tanto inflessibile risolvendo il problema della violenza e della moralità. [В этом смысле Толстой близок Бакунину и дальше от Макиавелли, чем Достоевский, не столь прямолинейный в вопросе о насилии и нравственности.]17
Neben Jusims Schrift ist Rees’ Abhandlung zu Machiavelli from Revolution to Stalin zu nennen. Die Arbeit geht auf die unterschiedliche Rezeption Machiavellis durch die verschiedenen politischen Strömungen in der russischen Geschichte ein. In diesem Zusammenhang ist auch ein kurzes Kapitel Dostoevskij gewidmet.18 In diesem wird der russische Schriftsteller in die allgemeine Machiavelli-Rezeption im Russland des 19. Jahrhunderts, v. a. unter den Revolutionären, eingeordnet.19 Eine detaillierte Diskussion einzelner Textstellen auf ihre Machiavelli-Nähe hin ist dabei jedoch nicht Ziel der Ausführungen. Zuletzt ist noch Racus Aufsatz «Strauss’s Machiavelli and Dostoyevsky’s Grand Inquisitor»20 explizit zu erwähnen, denn dieser führt in eine vielversprechende Richtung. Er beleuchtet weniger die direkte Ähnlichkeit der Aussagen im Großinquisitor aus Die Brüder Karamazov mit dem, was Machiavelli verfasst hat. Stattdessen werden Ähnlichkeiten mit dem aufgedeckt, was Leo Strauss in Machiavellis Schriften erkennt.21 Dies unterstreicht die zuvor erwähnte Position, die Jusim in Bezug auf den Tagebucheintrag Dostoevskijs und den dazugehörigen Kommentar in der Gesamtausgabe festgehalten hat.22 Es gilt zu fragen, inwiefern die Inhalte bei Dostoevskij wirklich dem entsprechen, was bei Machiavelli selbst zu lesen ist. Möglicherweise handelt es sich um eine bestimmte Interpretation oder Perspektivierung Machiavellis, z. B. eine landläufige, oder wie im Falle von Racus Aufsatz diejenige durch Leo Strauss.23
Hier soll nun genau diese Richtung weiterverfolgt werden. Zwei Stellen in Dostoevskijs Werk wurden bisher häufiger mit Machiavelli in Verbindung gebracht:24 die Gedanken Raskol'nikovs zur Moral in Verbrechen und Strafe, in älteren Übersetzungen Schuld und Sühne, [Преступление и наказание], welche er v. a. in einem längeren Gespräch mit dem Ermittler Porfirij äußert; daneben das bekannte «Poem» des Großinquisitors [Великий инквизитор] und das dazugehörige Gespräch zwischen den Brüdern Ivan und Aleksej Karamazov in den Brüdern Karamazov [Братья Карамазовы]. Diese beiden Abschnitte sollen im Folgenden genauer daraufhin untersucht werden, inwiefern sie dem entsprechen, was wir in Machiavellis eigenen Schriften finden. Das Ziel der folgenden Ausführungen ist es somit, zu prüfen, ob bzw. inwiefern das, was wir in Dostoevskijs beiden Texten vorfinden, als machiavellianisch beurteilt werden kann.25 Methodisch wird hierzu eine parallele Lektüre der entsprechenden Primärtexte vorgenommen, wobei die inhaltliche Seite der Texte besprochen wird.26 Die hier vertretene These ist, dass es zwar Parallelen bzw. Gemeinsamkeiten gibt. Doch finden sich in den entsprechenden Passagen aus Dostoevskijs Texten ebenso Aspekte, die von den Inhalten der Texte Machiavellis, hier v. a. des Principe sowie stellenweise der Discorsi,27 deutlich abweichen und sich z. T. sogar als radikaler oder als deren Steigerung lesen lassen.
Bevor die beiden Dostoevskij-Abschnitte genauer untersucht werden, soll zunächst kurz der historische Kontext nachgezeichnet werden. Hierzu wird auf die allgemeine Rezeption Machiavellis in Russland im 19. Jahrhundert eingegangen. Außerdem werden biographische Elemente Dostoevskijs angeführt, die für eine Beurteilung einer Nähe zu Machiavelli von Bedeutung sein können. Nach der eigentlichen Untersuchung der beiden Dostoevskij-Stellen folgt am Ende noch der Versuch einer bewusst vorläufigen Einordnung der Ergebnisse. Dabei geht es darum, welche interpretatorischen Optionen sich aus der hier vorgeschlagenen Lektüre ergeben können und welche davon die wahrscheinlichste sein dürfte: Im vorliegenden Kontext scheint es am plausibelsten zu sein, dass Machiavelli nur implizit bzw. indirekt eine Rolle spielt, stattdessen dürften v. a. die russischen Nihilisten im Vordergrund stehen. Insgesamt gilt es zu betonen, dass der vorliegende Beitrag aus einer italianistisch-literaturwissenschaftlichen Perspektive zu verstehen ist. Andere Blickwinkel, wie etwa insbesondere ein slavistischer, können an dieser Stelle nicht eingenommen werden.
II. Machiavelli, Russland im 19. Jahrhundert und Dostoevskij
Die ersten Übersetzungen einzelner Texte Machiavellis in die russische Sprache sind auf das 19. Jahrhundert zu datieren. 1824 erschien der Belfagor auf Russisch, 1839 Dell’arte della guerra, 1869 schließlich der Principe und die Discorsi.28 Die erste Gesamtausgabe auf Russisch folgte erst 1934.29 Während Machiavellis Werk in übersetzter Form nur langsam Einzug in Russland hielt, wurden die Ideen des Segretario fiorentino bereits deutlich früher rezipiert und diskutiert, u. a. in lateinischer Sprache.30 Zu nennen sind für den hier betrachteten Zeitrahmen beispielhaft die Affären um Dmitrij Michajlovič Golicyn und Artemij Petrovič Volynskij gegen Mitte des 18. Jahrhunderts. Beide wurden angeklagt, Machiavellis Texte – wohl den Principe – gelesen zu haben.31 Auch ex negativo, wenngleich somit spezifisch perspektiviert, war Machiavelli rezipierbar. Der Antimachiavelli Friedrichs II. wurde bereits 1779 von Jakov Koroškevič ins Russische übertragen.32 Wichtig ist im hier vorliegenden Zusammenhang auch die Rezeption Machiavellis durch die russischen Nihilisten.33 Zu nennen sind hierbei u. a. Nikolaj Gavrilovič Černyševskij, Nikolaj Aleksandrovič Dobroljubov oder Dmitrij Ivanovič Pisarev.34 Mit Blick auf die Revolutionäre konstatiert Jusim, dass deren Einstellung Machiavelli gegenüber «favorevole, ma abbastanza superficiale [сочувственное, но довольно поверхностное]» gewesen sei.35 Als Beispiele hierfür nennt er insbesondere Černyševskij und Dobroljubov.36 Gleichzeitig gab es durchaus differenzierte Beurteilungen, so wie diejenige Michail Aleksandrovič Bakunins, der zwischen Machiavellismus und Machiavellis eigenen Positionen unterschied.37 Gleichwohl ist es selbst bei solchen Persönlichkeiten, in deren Bibliotheken sich nachweislich Texte des Segretario fiorentino befanden, schwierig nachzuzeichnen, inwiefern ihre Positionen wirklich auf Machiavelli zu beziehen sind oder anderer Lektüre entstammen.38
Mit Blick auf Dostoevskij gestalten sich die Dinge indes zweideutig. Das Urteil Prezzolinis, Dostoevskij «non cita mai» den Namen Machiavellis, ist überholt,39 wie aus der weiter oben zitierten Passage aus Das Gut Stepantschikovo und seine Bewohner ersichtlich wird. Dennoch ist es schwierig zu beurteilen, ob Dostoevskij den Namen Machiavellis lediglich en passant gehört oder gelesen40 oder ob er die Ideen des Segretario genauer kennengelernt hat. Falls er die Ideen genauer kennengelernt hat, ist wiederum zu hinterfragen, ob dies im Kontext der eben erwähnten allgemeinen Diskussionen in Russland im 19. Jahrhundert erfolgte oder ob Dostoevskij selbst Texte Machiavellis (oder zumindest Ausschnitte davon) gelesen hat. Grundsätzlich kann man Dostoevskij ein Interesse für Italien unterstellen. Wie viele Russen damals träumte er seit seiner Kindheit davon, Italien zu besuchen.41 Diesen Traum konnte er schließlich verwirklichen und bereiste neben anderen italienischen (und mehreren europäischen) Städten auch Florenz. Dort war er zweimal, zunächst für kürzere Zeit im Jahr 1862, danach folgte ein längerer Aufenthalt in den Jahren 1868/69, in denen er die Arbeiten am Idioten [Идиот] beenden konnte.42 Auch wenn Dostoevskij Negatives zu berichten weiß, kann Florenz für ihn doch auch ein «Paradies» sein:
Außerdem regnet es in Florenz zu oft; bei heiterem Wetter ist hier dagegen ein wahres Paradies. Man kann sich keinen schöneren Eindruck vorstellen als den dieses Himmels, dieser Luft und dieses Lichtes. [Кроме того, во Флоренции слишком уж много бывает дождя; но зато, когда солнце, – это почти что рай. Ничего представить нельзя лучше впечатления этого неба, воздуха и света.]43
Es ist in diesem Kontext nicht gänzlich auszuschließen, dass Dostoevskij in irgendeiner Form, die sich direkt auf die Originale bezieht, mit den Ideen des Segretario fiorentino in Berührung gekommen ist. Wenn auch nicht in Florenz selbst, so boten sich sicherlich Gelegenheiten z. B. in Paris, London oder in deutschen Städten. Gleichwohl sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass Dostoevskij trotz so manch positiver Eindrücke, gerade aus Florenz, dem Westen grundsätzlich kritisch und ablehnend gegenüberstand. Hierfür werden exemplarisch meist die Winterlichen Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke [Зимние заметки о летних впечатлениях] angeführt, in denen Dostoevskij v. a. Eindrücke aus Paris und London verarbeitet.44
Vor diesem in der hier nötigen Kürze nachgezeichneten Hintergrund gilt es nun zwei berühmte und in Bezug auf Machiavelli bzw. Machiavellis Ideen naheliegende und häufiger erwähnte Textstellen zu besprechen. Zunächst die Gedanken zur Moral, welche die Figur Raskol'nikovs in Verbrechen und Strafe im Gespräch mit der Figur Porfirij vorstellt. Danach soll noch der Großinquisitor aus den Brüdern Karamazov bzw. Elemente des dazugehörigen Gesprächs zwischen den Bruderfiguren Ivan und Aleksej Karamazov genauer beleuchtet werden. Beide Romane, Verbrechen und Strafe (1866/67) sowie die Brüder Karamazov (1879–81),45 fallen in die Zeit nach der ersten Italienreise 1862, die Brüder Karamazov sogar in die Zeit nach dem zweiten Aufenthalt in Florenz 1868/69.
III. Das Gespräch über Raskol'nikovs Artikel zu den «außergewöhnlichen» Menschen
Wie bekannt, handelt Verbrechen und Strafe von Rodion Raskol'nikov,46 einem ehemaligen Jurastudenten, der in größter Armut in St. Petersburg lebt. Nach dem Mord an der Pfandleiherin Alëna Ivanovna und deren Schwester, kommt es zu einem Gespräch zwischen Raskol'nikov und dem Ermittler Porfirij Petrovič. Porfirij erwähnt einen Artikel, den Raskol'nikov eineinhalb Jahre zuvor in einem Journal veröffentlicht hat. Den Inhalt resümiert Raskol'nikov in dem Gespräch,47 das hier genauer betrachtet werden soll.
Ein zentraler Gedanke in Raskol'nikovs Artikel ist die Vorstellung, dass «ein ‹außergewöhnlicher› Mensch das Recht habe […] gewisse Hindernisse zu übertreten […] wenn die Ausführung seiner Idee […] das verlangt [‹необыкновенный› человек имеет право […] перешагнуть […] через иные препятствия […] если исполнение его идеи […] того потребует]».48 Die «außergewöhnlichen» Menschen dürften hierzu sogar «über […] eine Leiche hinwegschreiten […] über […] Blut [перешагнуть […] через труп, через кровь]»,49 jedoch nur, wenn dies nötig sei [«если ему надо»].50 Es gibt somit auch für die «außergewöhnlichen» Menschen keine pauschale Entbindung von der Moral.51 Hier lässt sich nun eine teilweise Parallele zu dem feststellen, was sich in Machiavellis Schriften findet. Bekanntermaßen ist es dem Segretario fiorentino zufolge einem Principe erlaubt, sich außerhalb gängiger Moralvorstellungen zu bewegen. Auch Grausamkeit und Blutvergießen sind in diesem Zusammenhang legitime Mittel:
Debbe pertanto uno principe non si curare della infamia di crudele per tenere e’ sudditi sua uniti e in fede, perché con pochissimi esempli sarà più pietoso che quelli e’ quali, per troppa pietà, lasciono seguire e’ disordini, di che ne nasca occisioni o rapine, perché queste sogliono offendere una universalità intera, e quelle esecuzioni che vengono dal principe offendono uno particulare.52
Doch sind diese Mittel nicht absolut. Vielmehr ist es wichtig, daran zu erinnern, dass diese Mittel stets an die Ordnung des Staates und die Sicherung dieser Ordnung gebunden sind.53 Es gibt zwar einen Freispruch von moralischen Zwängen, aber «dieser Freispruch ist nur für Notfälle erlaubt, beispielsweise dort, wo man beim politischen Konkurrenten mit einem Wortbruch rechnen muß».54 Das individuelle Interesse oder Partikularinteressen haben dabei nach Machiavelli hinter das Interesse des Staates zurückzutreten.55
Hier werden die Unterschiede offenbar zwischen dem, was Raskol'nikov aussagt, und dem, was sich bei Machiavelli findet. Während beim Segretario fiorentino der Staat und v. a. dessen Stabilität im Vordergrund stehen und auch Gewalt legitimieren, ist dies bei Raskol'nikov anders. Bei ihm ist gerade nicht die Stabilität zentral. Es geht vielmehr in den meisten Fällen um die «Zerstörung des Gegenwärtigen im Namen eines Besseren [разрушения настоящего во имя лучшего]»56 und darum, dass die «außergewöhnlichen» Menschen die Welt «bewegen […] und […] sie zum Ziel [führen] [двигают мир и ведут его к цели]».57 Weiterhin beziehen sich Raskol'nikovs Ausführungen nicht explizit auf Staatsangelegenheiten bzw. die Sicherung eines Staates. Stattdessen spricht er allgemein von einer «Idee [иде[я]]»,58 für die es den «außergewöhnlichen» Menschen gestattet ist, Grenzen zu überschreiten. Er erläutert beispielhaft, dass Newton, die Pflicht gehabt hätte, Menschen zu töten, wenn nur so seine Erkenntnisse hätten verbreitet werden können.59 Auch wenn dabei, insbesondere dem Newton-Beispiel folgend, implizit Gemeininteressen involviert sind,60 findet durch Raskol'nikov eine starke Kopplung an das Innere oder Individuelle statt, denn der «außergewöhnliche» Mensch «kann […] sich innerlich, vor seinem Gewissen […] die Erlaubnis geben [он внутри себя, по совести, может […] дать себе разрешение]»,61 Grenzen zu überschreiten und auch Gewalt anzuwenden.
Ein weiterer Punkt, bei dem sich Unterschiede erkennen lassen, ist die Aufteilung der Menschen in «gewöhnliche» und «außergewöhnliche» Menschen. Bei Machiavelli spielen bekanntlich v. a. virtù und fortuna bei der Erreichung von Zielen eine wichtige Rolle. Außergewöhnlich erfolgreiche Menschen und deren Erfolge ergeben sich aus der Komplementarität von virtù bzw. konkreter dem «modo del procedere» und den äußeren Umständen und Gegebenheiten zu einer bestimmten Zeit, welche von der fortuna bestimmt sind:
Ma, restringendomi piú a’ particulari, dico come si vede oggi questo principe felicitare e domani ruinare, sanza averli veduto mutare natura o qualità alcuna; il che credo che nasca prima dalle cagioni che si sono per lo adrieto lungamente discorse, cioè che quel principe che s’appoggia tutto in sulla fortuna, rovina come quella varia; credo ancora che sia felice quello che riscontra el modo del procedere suo con le qualità de’ tempi, e similmente sia infelice quello che con il procedere suo si discordano e’ tempi, perché si vede li òmini nelle cose che l’inducano al fine quale ciascuno ha innanzi, cioè gloria e ricchezze, procedervi variamente, l’uno con respetto, l’altro con impeto, l’uno per violenzia, l’altro con arte, l’uno per pazienzia, l’altro con il suo contrario; e ciascuno con questi diversi modi vi può pervenire.62
Zwar kann man der fortuna mit entsprechendem «modo del procedere» begegnen, der wirklich Verständige ist in der Lage sich anzupassen. Doch ist eine vollständige und dauerhafte Kompatibilität eher ein Ideal und in der Realität kaum möglich.63 Wenn es äußerst erfolgreiche Menschen gibt, z. B. Cesare Borgia, wie er v. a. im Kapitel VII des Principe gezeichnet wird,64 dann ist dies nicht naturgegeben,65 sondern resultiert daraus, dass diese Persönlichkeiten ihren «modo del procedere» an die Gegebenheiten anzupassen wussten bzw. wissen. Sowohl innere als auch äußere Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Die Position Raskol'nikovs fällt dagegen anders aus. Er postuliert, dass «die Menschen im allgemeinen nach einem Naturgesetz in zwei Klassen oder Gattungen eingeteilt sind [люди, по закону природы, разделяются вообще на два разряда]»: «in Gewöhnliche und Außergewöhnliche [на обыкновенных и необыкновенных]».66 Letztere dürfen sich, wie erwähnt, selbst und nach eigenem Gewissen die Erlaubnis zur Gewalttat und zum Verbrechen erteilen.67 Im Sinne Raskol'nikovs spielen somit äußere Umstände keine oder eine sehr untergeordnete Rolle.68
Bereits anhand dieser wenigen Beobachtungen lässt sich erkennen, dass die Vorstellungen Raskol'nikovs zwar in eine deutlich ähnliche Richtung gehen, wie das, was bei Machiavelli zu finden ist. Doch ergeben sich im Detail zugleich Unterschiede, die sich sogar dahingehend lesen lassen, dass Raskol'nikovs Position radikaler ausfällt.69 Während bei Machiavelli staatliche Ordnung und Stabilität sowie die fortuna gewissermaßen Grenzen setzende äußere Elemente darstellen, sind den «außergewöhnlichen» Menschen in der Vorstellung Raskol'nikovs «nach einem Naturgesetz [по закону природы]» keine äußeren Grenzen gesetzt,70 ihre «Idee [иде[я]]» umzusetzen und hierfür auch Gewalt anzuwenden.71
IV. Gott und die Auffassung vom Menschen an sich: Der Großinquisitor und Ivan Karamazov
Eine der bekanntesten Stellen überhaupt in Dostoevskijs Werk dürfte das sogenannte Poem des Großinquisitors in den Brüdern Karamazov sein. Dieses Poem trägt Ivan Karamazov seinem Bruder Aleksej in freier Rede während eines intensiven Zweiergesprächs vor. In diesem Gespräch öffnet sich Ivan und offenbart Aleksej seine Gedanken und seine Weltsicht. In diesem Kontext sollte daran erinnert werden, dass Ivan Karamazov in der Erzählung von den drei Brüdern Karamazov den (atheistischen) Intellektuellen repräsentiert, Aleksej ist der Religion zugeneigt, er hat einige Zeit in einem Kloster beim Mönch Zosima gelebt.72 Während sich die oft erwähnte Stelle des «alles ist erlaubt [всё позволено]»73 bereits durch die Ausführungen des vorigen Abschnitts als nicht machiavellianisch beurteilen lässt – wie dargestellt, erteilt Machiavelli gerade keine völlige Lizenz –,74 sollen hier mit der Frage nach Gott und der Auffassung vom Menschen an sich zwei andere Aspekte beleuchtet werden.
Die Vorstellung von Gott bzw. der Kirche, die in der Erzählung vom Großinquisitor vorgestellt wird, weist auf den ersten Blick Parallelen zu dem auf, was man bei Machiavelli findet. Der Inquisitor befindet sich in einem Gespräch mit der Figur Jesu,75 der nach 1500 Jahren erneut auf die Erde gekommen ist. Dabei legt der Inquisitor dar, dass die Kirche Gott bzw. Jesus überhaupt nicht mehr brauche, die neuerliche Erscheinung Jesu würde sie vielmehr stören. Der Inquisitor argumentiert, dass Jesus den Menschen Freiheit, insbesondere im Glauben, versprochen habe.76 Diese Freiheit mache die Menschen jedoch unglücklich.77 Glücklich sind die Menschen dagegen unter der Herrschaft der (katholischen) Kirche. Sie unterwerfen sich und dafür können sie unbesorgt und «glücklich [счастливы]» leben:
Selbst die quälendsten Geheimnisse ihres Gewissens, – alles, alles werden sie zu uns tragen, und wir werden alles entscheiden, und sie werden mit Freuden unserer Entscheidung glauben, denn sie wird sie von der großen Sorge und den furchtbaren gegenwärtigen Qualen einer persönlichen und freien Entscheidung erlösen. Und alle werden glücklich sein, alle Millionen Wesen, außer den Hunderttausend, die über sie herrschen. [Самые мучительные тайны их совести – всё, всё понесут они нам, и мы всё разрешим, и они поверят решению нашему с радостию [sic!], потому что оно избавит их от великой заботы и страшных теперешних мук решения личного и свободного. И все будут счастливы, все миллионы существ, кроме сотни тысяч управляющих ими.]78
Dies steht durchaus den Äußerungen Machiavellis nahe, der Religion als eine Form von instrumentum regni betrachtete, welche die Gesellschaft kontrollieren und für Ordnung sorgen kann.79 Insgesamt bleibt Machiavelli der (absoluten) kirchlichen Macht gegenüber aber eher skeptisch,80 die Religion ist v. a. dann gutzuheißen, wenn sie im Dienst des (säkular zu denkenden) Staates steht.81 Vor diesem Hintergrund befindet sich der Großinquisitor auf der nach Machiavelli eher kritisch zu sehenden Seite, denn im «Poem» Ivan Karamazovs hat die Kirche, welcher der Inquisitor angehört, selbst die Macht vollständig, also auch die weltliche, übernommen («wir nahmen […] Rom und das Schwert des Kaisers [мы взяли […] Рим и меч кесаря]»82 ).
In einem anderen Punkt unterscheidet sich der Großinquisitor deutlich von dem, was sich bei Machiavelli findet. Auch wenn der Segretario fiorentino kirchenkritisch war, bleibt es trotz mancher Versuche83 schwierig, ausgehend von den überlieferten Texten einen grundsätzlichen anticristianesimo Machiavellis nachzuweisen. Vielmehr erscheint es plausibel, Machiavelli eine eigene, quasi private Form von Glauben zuzugestehen.84 Im Großinquisitor ist dies anders, hier tritt eine gezielte Abwendung von Gott zutage. Der Großinquisitor stellt der Figur Jesu gegenüber unumwunden fest, dass die Kirche nicht mehr Gott und dem Beispiel Jesu folge. Sie habe sich stattdessen für die zuvor erwähnte weltliche Macht «ihm [с ним]» zugewandt, womit der Teufel oder Antichrist gemeint ist:85
Wir sind nicht mit dir verbündet, sondern mit ihm [dem Teufel], das ist unser ganzes Geheimnis! Schon lange sind wir nicht bei Dir, sondern bei ihm, schon seit acht Jahrhunderten. [мы не с тобой, а с ним [с дьяволом], вот наша тайна! Мы давно уже не с тобою, а с ним, уже восемь веков.]86
Eine solch offene und direkte ‹Verteufelung› der Kirche findet sich in Machiavellis Schriften trotz Kirchenkritik nicht.87 In eine ähnliche Richtung, aber noch drastischer erscheinen Äußerungen Ivan Karamazovs kurz vor seinem Vortrag des Großinquisitors. Er eröffnet Aleksej, dass der Mensch den Teufel nach seinem Ebenbild erschaffen haben müsse: «Ich glaube, wenn es den Teufel gar nicht gibt und ihn folglich der Mensch nur erdacht hat, so hat er ihn nach seinem eigenen Bilde geschaffen. [Я думаю, что если дьявол не существует и, стало быть, создал его человек, то создал он его по своему образу и подобию]».88 Zuvor hatte er mit Bezug auf Voltaire bereits festgestellt, dass auch Gott vom Menschen erschaffen wurde: «Und tatsächlich hat sich der Mensch Gott ausgedacht. [И действительно, человек выдумал бога.]».89 Beide, Gott und Teufel, seien somit menschengemacht und in gewisser Weise ‹gleichberechtigt›, was sich u. a. auch aus der Wendung der Kirche hin zum Teufel im Großinquisitor spiegelt: Der Teufel ist eine ebenso mögliche Option wie Gott.90 Beides, die Äußerungen Ivans vor dem Großinquisitor ebenso wie die Erläuterungen im Großinquisitor, unterscheidet sich von dem, was man beim Segretario fiorentino findet. Man könnte sogar postulieren, dass der Text Dostoevskijs hier erkennbar über Machiavellis Schriften hinausgeht.
Neben der Gottesfrage lässt sich auch die Auffassung vom Menschen an sich, die man rund um den Großinquisitor vorfindet, prinzipiell in Verbindung mit Machiavelli bringen. Der Inquisitor stellt fest, dass Gott bzw. Jesus den Menschen überschätzt hätte, als er ihm den freien Willen gegeben hatte:
Aber auch hierin hast Du sie [die Menschen] gar zu hoch eingeschätzt, denn Sklaven sind sie, das sage ich Dir, wenn sie auch als Empörer [Rebellen] geschaffen sind. Blicke um Dich und urteile selbst: Da sind nun fünfzehn Jahrhunderte vergangen, gehe hin und sieh sie Dir an: wen hast Du bis zu Dir emporgehoben? Ich schwöre Dir, der Mensch ist schwächer und niedriger geschaffen, als Du es von ihm geglaubt hast. [Но и тут ты судил о людях слишком высоко, ибо, конечно, они невольники, хотя и созданы бунтовщиками. Озрись и суди, вот прошло пятнадцать веков, поди посмотри на них: кого ты вознес до себя? Клянусь, человек слабее и ниже создан, чем ты о нем думал!]91
Später bringt er es auf den Punkt: «Er [der Mensch] ist schwach und gemein [niederträchtig]. [Он [человек] слаб и подл.]».92 Es bräuchte «Wunder, Geheimnis und Autorität [чудо, тайна и авторитет]», nur so ließen sich die Menschen kontrollieren:
Es gibt drei Mächte, es sind die einzigen drei Mächte auf Erden, die das Gewissen dieser kraftlosen Empörer [Rebellen] zu ihrem Glück auf ewig besiegen und bannen können, – das sind: das Wunder, das Geheimnis und die Autorität. [Есть три силы, единственные три силы на земле, могущие навеки победить и пленить совесть этих слабосильных бунтовщиков, для их счастия, – эти силы: чудо, тайна и авторитет.]93
Dies kann man als ähnlich zu dem lesen, was sich auch bei Machiavelli findet. Er bezeichnet den Menschen als schlecht («se li òmini fussino tutti buoni […] ma […] sono tristi»)94 und auch bei Machiavelli spielt zumindest die Autorität eine wichtige Rolle. So sollen z. B. die Menschen den Fürsten fürchten («temere»), in dem Sinne, dass sie Respekt vor ihm haben: «Debbe nondimanco el principe farsi temere in modo che se non acquista lo amore, che fugga l’odio, perché può molto bene stare insieme essere temuto e non odiato».95 Wunder und Geheimnis dürften dagegen bei Machiavelli eine geringere Rolle spielen und nicht auf einer Stufe mit der Autorität stehen. Dies suggeriert v. a. Kapitel VI des Principe, in dem diejenigen Propheten als schwach dargestellt werden, die über keine Gewalt verfügen.96
Vom Menschenbild, das man bei Machiavelli findet, unterscheidet sich dagegen deutlich das, was Ivan Karamazov vor dem «Poem» des Großinquisitors seinem Bruder Aleksej offenbart. Nachdem er festgestellt hat, dass der Mensch ein Wesen ist, das alle Tiere in seiner Grausamkeit und Bestialität übertrifft,97 erläutert er weiterhin, dass in jedem Menschen eine Bestie stecke («Versteht sich, in jedem Menschen verbirgt sich das Tier. [Во всяком человеке, конечно, таится зверь]»).98 Ähnliches findet man im Principe, dort wird postuliert, dass der Principe sich des Menschlichen (Ordnung und «legge») und des Tierischen (Gewalt und «forza») bedienen müsse.99 Und es wird gefordert, dass der erfolgreiche Fürst beides braucht, «a uno principe è necessario sapere bene usare la bestia e lo uomo».100 Dies impliziert, dass der Principe sich nicht der reinen Gewalt und dem rein Tierischen hingeben darf. Er muss das Tierische «bene usare», letztlich also kontrollieren und zur richtigen Zeit und unter den richtigen Umständen ‹freilassen›. Ivan Karamazov scheint dagegen weiter zu gehen. Für ihn ist das Tierische im Menschen unkontrollierbar, der Mensch sei «ein Tier ohne Halt, von der Kette gelöst [зверь без удержу, спущенного с цепи]».101 Der Mensch ist somit der inneren Bestie vollständig ausgeliefert. Während bei Machiavelli noch Kontrolle sowie «bene usare» möglich sind und «lo uomo» einen wichtigen Platz einnimmt, ist dies aus Sicht Ivan Karamazovs nicht möglich: Der Mensch ist für ihn ‹bestialischer› als dies bei Machiavelli der Fall ist.
Wie bei Verbrechen und Strafe kann man auch im Fall der Brüder Karamazov bereits anhand der wenigen hier angestellten Beobachtungen schließen, dass die Passage, die auf den ersten Blick eine Nähe zu Machiavellis Gedanken anzeigt, im Detail auch Unterschiede zu dem aufweist, was beim Segretario fiorentino zu finden ist. Während bei Machiavelli Gott noch ein Existenzrecht zu haben scheint, zumindest im Sinne eines instrumentum regni, wird rund um den Großinquisitor Gott völlig verabschiedet bzw. als menschliche Erfindung auf eine Stufe mit dem Teufel gestellt, während sich die Kirche in der Erzählung vom Großinquisitor von Gott (der in dieser Fiktion durch die Figur Jesu zumindest noch existiert), abgewandt und dem Teufel verschrieben hat. In Bezug auf die Auffassung vom Menschen an sich steht bei Machiavelli ebenso wie rund um den Großinquisitor die Schlechtigkeit des Menschen im Vordergrund. Doch während bei Machiavelli der Mensch das Tierische und Gewaltvolle kontrollieren kann, postuliert Ivan Karamazov, im Menschen wohne ein Tier, das völlig unkontrollierbar sei. Ähnlich wie im Fall von Verbrechen und Strafe lässt sich auch hier postulieren, dass die besprochenen Positionen in den Brüdern Karamazov radikaler als bei Machiavelli ausfallen.
V. Deutungsversuche
Bis hierhin konnte herausgearbeitet werden, dass die beiden Stellen, die auf den ersten Blick eine Nähe zu Machiavellis Äußerungen offenbaren, in der Tat Parallelen aufweisen. Doch ergeben sich ebenso erkennbare Abweichungen, die sich z. T so lesen lassen, dass eine radikalere Position als bei Machiavelli vorliegt. Wenn man den bisherigen Ausführungen und der daraus folgenden Feststellung folgen will, ergibt sich die Frage nach der Bedeutung. Wie ist es zu verstehen, dass Dostoevskij an beiden besprochenen Stellen von dem abweicht, was bei Machiavelli zu finden ist, und sich radikaler ausnimmt? Diese Frage ist alles andere als einfach zu beantworten und es soll an dieser Stelle keine endgültige Lösung vorgestellt werden. Stattdessen sollen verschiedene Deutungsmöglichkeiten kurz nebeneinandergestellt und auf ihre Plausibilität hin befragt werden.
Die erste Möglichkeit wäre eine bewusste Abweichung (und z. T. Radikalisierung) Dostoevskijs von dem, was bei Machiavelli zu finden ist. Das, als ironisierende, ja womöglich komische Darstellung interpretiert, könnte auf eine Kritik Dostoevskijs an Machiavellis Position gedeutet werden, auch wenn man sich dann fragen könnte, warum Dostoevskij gerade die Position Machiavellis ironisieren sollte. Eine weitere Möglichkeit könnte eine Instrumentalisierung sein, um die Position des Religiösen kontrastiv zu stärken. Diese Variante erscheint textuell überzeugender, immerhin werden die Aussagen Ivans von einer Art Gegenrede durch die Lebensbeschreibung des Mönchs Zosima im Buch 6 der Brüder Karamazov flankiert. Und während am Ende in Buch 11 und 12 Ivan an seinen Vorstellungen zugrunde geht und dem Wahnsinn erliegt, ist dies bei Aleksej, der Zosima und die Religion hochschätzt, nicht der Fall.102 Auch bei Verbrechen und Strafe wäre diese Lesart denkbar. Schließlich verzweifelt Raskol'nikov bekanntlich an seinen eigenen Thesen zur Moral und findet erst durch Sonja und ihre christliche Nächstenliebe seinen inneren Frieden.
Während der mögliche Effekt einer Kontrastierung somit textuell durchaus plausibel ist, stellt sich die Frage, inwiefern überhaupt die Voraussetzung dafür, d. h. für die bewusste Abweichung und stellenweise gezielte Radikalisierung machiavellianischen Gedankenguts, gegeben sein kann. Hierzu müsste man davon ausgehen, dass Dostoevskij Machiavellis Schriften sehr gut kannte. Das wäre möglich gewesen, wie die Informationen aus dem Abschnitt zum historisch-biographischen Kontext zeigen. Machiavelli war in Russland im 19. Jahrhundert bekannt, z. T. sogar schon in russischer Übersetzung. Außerdem war Dostoevskij noch vor der Veröffentlichung des früheren der beiden Romane, Verbrechen und Strafe, in Europa und sogar in Florenz. Entsprechend könnte Dostoevskij hier Details zu Machiavelli erfahren haben. Auch könnte man anführen, dass eine gezielte Abweichung – sowohl im Kontext einer Kontrastierung als auch einer weniger wahrscheinlichen Ironisierung – mit der generellen Kritik Dostoevskijs an der westlichen Kultur vereinbar ist, denn durch die Abweichung kann die eigene, orthodox-russische Position gegenüber dem Westen aufgewertet werden. Des Weiteren ist bemerkenswert, dass sich eine ähnliche Diagnose der geradezu radikalisierenden Abweichung für zwei Texte ergibt, deren Entstehung nicht zeitgleich stattfand.103 Gleichwohl gilt es zu beachten, dass die These der gezielten Abweichung auf unsicheren Annahmen beruhen würde. Dostoevskij kannte den Namen Machiavellis nachweislich, doch findet sich der Name des Segretario fiorentino im Werk Dostoevskijs nur ein Mal. Wenn sich Dostoevskij so intensiv mit Machiavelli beschäftigt hätte, dass er gezielte Modifikationen bzw. sogar Radikalisierungen des Gedankenguts des Segretario fiorentino hätte vorlegen können, wären häufigere Erwähnungen (oder sogar explizite Abhandlungen) zu erwarten.
Stattdessen scheint, ausgehend vom bisher Gesagten, eine andere Möglichkeit plausibler zu sein, die vieles erklären könnte: Machiavelli spielt – zumindest direkt – überhaupt keine Rolle. Diese Option mag auf den ersten Blick drastisch erscheinen und im Widerspruch zu den bisherigen Ausführungen stehen. Immerhin wurde nachgezeichnet, dass mit Blick auf Machiavelli grundsätzlich eine ähnliche Stoßrichtung bei den untersuchten Textstellen Dostoevskijs zu erkennen ist. Doch wird eine solche Deutung plausibler, wenn man den historischen Kontext beachtet. Das 19. Jahrhundert war eine Zeit, in der in Russland revolutionäre Strömungen wie der russische Nihilismus verbreitet waren. Wir wissen zudem, dass Dostoevskij die meiste Zeit seines Lebens den russischen Nihilisten gegenüber ablehnend eingestellt war.104 Dies zeigt sich besonders eindrücklich an seinem Roman Dämonen [Бесы] (1871–73), der sich als anti-nihilistisch bezeichnen lässt.105 Wenn man nun noch hinzunimmt, dass, wie weiter oben beschrieben, auch die russischen Nihilisten Machiavelli rezipierten, wenngleich z. T. oberflächlich, und dass man generell die Positionen der russischen Nihilisten oft mit einer Form von Machiavellismus in Verbindung brachte und bringt,106 so ergibt sich ein durchaus stimmiges Bild. Im Vordergrund steht bei Dostoevskij wohl nicht Machiavelli selbst. Stattdessen dürfte es größtenteils um die russischen Nihilisten und um die kritische Darstellung ihrer Position gehen,107 darum, ihnen kontrastiv die bereits weiter oben diskutierte orthodox-russische Position, u. a. durch Zosima in den Brüdern Karamazov und Sonja in Verbrechen und Strafe, gegenüberstellen zu können. Über die so eingebundene Perspektive der russischen Nihilisten können nun wiederum implicite und indirekt machiavellianische Gedanken bzw. etwas, das Machiavelli ähnlichsieht, z. T. aber radikaler ausfällt, in verschiedene Texte Dostoevskijs einfließen.108
Diese plausibel erscheinende Interpretation muss aber zunächst vorläufig bleiben. Zum einen sind weitere interdisziplinäre (Rück-)Impulse, v. a. aus dem Bereich der Slavistik nötig. Zum anderen ist auch eine Ausweitung der vorgestellten detaillierten Untersuchung auf den gesamten Text von Verbrechen und Strafe und der Brüder Karamazov bzw. in einem weiteren Schritt auf das komplette Werk Dostoevskijs wünschenswert. Ebenso dürfte es zielführend sein, die Positionen Dostoevskijs und wichtiger Vertreter der russischen Nihilisten im Detail unter gleichzeitigem Abgleich mit den Schriften Machiavellis nebeneinanderzustellen. Außerdem spielen sicher noch andere Quellen für (pseudo-)machiavellianische Elemente eine Rolle – ausgehend von Bemerkungen Stradas könnte z. B. Balzac eine ‹heiße Spur› sein.109 Dennoch kann das vorläufige Fazit an dieser Stelle lauten: Es erscheint wahrscheinlich, dass Dostoevskij zumindest in den untersuchten Stellen über den Artikel Raskol'nikovs und rund um den Großinquisitor nicht direkt auf Machiavelli Bezug genommen hat. Vielmehr dürfte machiavellianisch erscheinendes Gedankengut indirekt v. a. über die Thematisierung (und letztlich Ablehnung) russisch-nihilistischer Elemente in die untersuchten Textstellen eingeflossen sein.
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